Hans Litten war ein bedeutender Jurist und Gegner des Nationalsozialismus in der Endphase der Weimarer Republik. Bekannt wurde er vor allem durch seinen couragierten juristischen Einsatz gegen die Gewalt der NSDAP und der SA sowie durch seine Befragung Adolf Hitlers im sogenannten Edenpalast-Prozess im Jahr 1931.
Kindheit und Jugend
Geboren wurde Hans Litten am 19. Juni 1903 in Halle an der Saale. Er wuchs in Königsberg in einer bürgerlich, akademisch geprägten Familie auf. Sein Vater Fritz Litten, ebenfalls Jurist, war Hochschulprofessor und zwischenzeitlich auch Rektor der Universität Königsberg. Die Familie väterlicherseits war jüdischer Herkunft. Doch Fritz Litten war für die besseren beruflichen Chancen zum Christentum konvertiert und vertrat deutschnationale Positionen. Unter anderem dieser Opportunismus und die politische Einstellung von Fritz Litten sollen in jungen Jahren zum Bruch zwischen Vater und Sohn geführt haben. Die Mutter Irmgard Litten war dagegen eher politisch liberal eingestellt und teilte die Liebe zur Kunst sowie Literatur mit ihrem Sohn.
Schon als Jugendlicher entwickelte Hans Litten ein starkes politisches Bewusstsein. Er engagierte sich im „Jüdischen Jugendverein“ Königsberg, der dem „Deutsch-Jüdischen Wanderbund – Kameraden“ angehörte, dem größten nicht-zionistischen jüdischen Jugendbund jener Zeit. Über die gemeinsam mit Max Fürst initiierte Gruppe „Schwarzer Haufen“ versuchte Litten, politische Fragen in den eigentlich unpolitischen Jugendbund einzubringen. Dabei vertraten sie überwiegend sozialistische und kommunistische Positionen.
Anwalt der Arbeiter
Auf Drängen seines Vaters begann Hans Litten in Berlin ein Jurastudium. Dort wurde er unmittelbar mit den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Missständen der Großstadt konfrontiert, zu denen Armut, Wirtschaftskrise und politische Gewalt gehörten. Zusammen mit Max und Margot Fürst gründete er deshalb die Beratungsstelle „Jugend hilft Jugend“, die sich der Unterstützung hilfsbedürftiger Jugendlicher widmete.
Eine Karriere im Staatsdienst strebte Litten nach seinem Abschluss nicht an, stattdessen ließ er sich 1928 als Rechtsanwalt nieder. Er machte sich rasch einen Namen als Anwalt, der vor allem Arbeiter, politisch Verfolgte und Opfer rechter Gewalt verteidigte. In seinen Prozessen legte er großen Wert darauf, die politischen Hintergründe von Straftaten offenzulegen. So gelang es ihm, die systematische und planmäßige Gewalt der Nationalsozialisten juristisch sichtbar zu machen.
Der Edenpalast-Prozess und seine Folgen
Zu den wichtigsten seiner Fälle gehört der bekannte Edenpalast-Prozess. Hintergrund war ein Überfall von SA-Männern auf eine Tanzveranstaltung im Berliner Edenpalast im November 1930. Bei dem Angriff wurden mehrere linke Arbeiter schwer verletzt. Die SA versuchte zu der Zeit zunehmend, durch gezielte Provokationen und Gewalt (linke) Wohnviertel zu erobern. Litten verteidigte die Angegriffenen und machte deutlich, dass es sich nicht um spontane Auseinandersetzungen, sondern um eine bewusste Strategie der NSDAP handelte. Um die Täuschung der Nationalsozialisten aufzudecken, dass sie ausschließlich auf legalem Weg an die Macht zu kommen strebten, beantragte Litten die Vernehmung Adolf Hitlers als Zeugen. Am 8. Mai 1931 stellte er Hitler anhand von NSDAP-Schriften sowie Reden bloß und brachte ihn vor Gericht sichtbar in Bedrängnis. Diese Befragung machte Litten zum persönlichen Feind Hitlers und der Nationalsozialisten.

In Folge der Machtübernahme der Nationalsozialisten und unmittelbar nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar 1933 wurde Hans Litten dann in „Schutzhaft“ genommen. Es folgten mehrere Jahre in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern. Seine Mutter Irmgard versuchte wiederholt vergeblich, seine Freilassung zu erreichen. Am 5. Februar 1938 nahm sich Hans Litten jedoch nach jahrelanger Misshandlung und Folter im Konzentrationslager Dachau das Leben.
Engagement & Demokratie in der Jüdisch-Deutschen Geschichte
Die Informationen in diesem Beitrag stammen unter anderem aus der Portrait-Reihe „Engagement & Demokratie in der Jüdisch-Deutschen Geschichte“ des Leo Baeck Instituts.
„In Beiträgen mit Expert:inneninterviews werden dort herausragende, oftmals fast vergessene, Persönlichkeiten der jüdisch-deutschen Geschichte von der Kaiserzeit bis zum Nationalsozialismus portraitiert. Zudem beleuchtet die Reihe das historische Zusammenspiel zwischen jüdischer Emanzipation und gesellschaftlichem Antisemitismus. Trotz andauernder Benachteiligung und zunehmender Anfeindungen spielten Jüdinnen und Juden eine zentrale Rolle in der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Deutschlands, insbesondere während der Kaiserzeit und der Weimarer Republik.“
„Die Porträts verdeutlichen, dass eine funktionierende Demokratie nicht nur ein starkes Parlament, sondern auch eine engagierte Zivilgesellschaft braucht, die für Freiheit und Gerechtigkeit eintritt. Sie zeigen, dass Antisemitismus nicht nur eine Bedrohung für Jüdinnen und Juden darstellt, sondern für die gesamte Gesellschaft und ihre demokratischen Werte.“
Das Interview mit Knut Bergbauer zu Hans Litten finden Sie hier.
Literatur
Hans Litten – Radikaler Kämpfer gegen den Hitlerfaschismus - FUF des LBI
GDW-Berlin: Biografie
Biografie "Hans Litten - Anwalt gegen Hitler" - „Große Angst und große Tapferkeit“


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