Demokratiegeschichten

14. Juli 1789: Sturm auf die Bastille

Die französische Revolution von 1789 gilt als eines der prägendsten Ereignisse der Neuzeit in Europa. Mit der Proklamierung der Menschenrechte hat sie das moderne Demokratieverständnis entscheiden beeinflusst.

Doch Beginn und Verlauf der Revolution waren auch geprägt von Gewalt und Terror. Gleich zu Beginn steht ein Ereignis, das dies spiegelt und möglicherweise das Symbol der Revolution wurde: Der Sturm auf die Bastille.

Die Tage vor dem Sturm

Wenige Wochen zuvor hatten sich Abgeordnete der Ständeversammlung zur Nationalversammlung erklärt. Trotz Widerstands des französischen Königs Ludwig XVI erklärten sie, erst auseinanderzugehen, wenn eine Verfassung mit gleichen Rechten für alle Bürger ausgearbeitet sei. Dieser Ballhausschwur galt als Auftakt zur Revolution.

Gemälde von Jacques Louis David (1748-1825) „Der Ballhausschwur“ aus den 1790er Jahren.

In Frankreich war die Lage 1789 angespannt. Insbesondere die unteren Bevölkerungsschichten hatten Probleme, sich mit Lebensmitteln zu versorgen. So war beispielsweise der Brotpreis aufgrund von Missernten im Jahr zuvor um mehr als die Hälfte gestiegen. Eine Katastrophe für viele geringverdienende Familien.

Der Hof des Königs in Versailles hatte in dieser Zeit sein luxuriöses Leben nicht aufgegeben oder angepasst. Noch heute ist das angeblich von Marie Antoinette – der damaligen französischen Königin – stammende Wort „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen“ bekannt. (Dies haben ihr sehr wahrscheinlich antimonarchische Personen angedichtet.)

Knapp zusammengefasst: Wirtschaftliche und politische Spannungen trafen im Sommer 1789 aufeinander und verwandelten Frankreich in ein Pulverfass. Dieses wurde gesprengt, als der König seinen damaligen Finanzminister Jacques Necker entließ. Necker galt als Reformer und als letztes Bindeglied zwischen König und Volk. Nachricht von seiner Entlassung verbreitete sich schnell. Ebenso, dass der König plane, Reformen rückgängig zu machen und eine Armee zusammenzuziehen. Daraufhin griffen die Pariser:innen zu den Waffen.

Die Bewaffnung der Bürgerwehr

Ganz so einfach war es mit der Bewaffnung allerdings nicht. Den Französinnen und Franzosen war es verboten, Waffen zu besitzen. Um sich zu bewaffnen, mussten die Bürger:innen an Orte gehen, wo es Waffenlager gab. Das waren unter anderem die Festungen der Stadt. Darunter etwa das Hôtel des Invalides – der Invalidendom, damals ein Zeughaus und das größte Waffenlager der Stadt.

Am Morgen des 14. Juli drangen Aufständische in den Invalidendom ein und durchsuchten ihn nach Waffen. Die dort stationierten Wachsoldaten stellten sich ihnen überraschenderweise nicht entgegen. Auch sie waren mit der Situation unzufrieden und sympathisierten mit den Revolutionär:innen.

Gut bewaffnet verließ die Menge den Invalidendom wieder. Eines hatten sie dort jedoch nicht erhalten: Schießpulver und Munition. Um diese zu erhalten, wandten sie sich einer weiteren Festung zu – der Bastille.

Erkennbar war die Bürgerwehr übrigens an Kokarden – Bandschleifen. Diese waren in Blau und Rot gehalten, den Farben der Stadt Paris. Später wurde das königliche Weiß hinzugefügt, um die Kokarde für ganz Frankreich gültig zu machen. Noch heute finden sich diese Farben in der französischen Nationalflagge. Colorierter Stich aus dem 19. Jahrhundert.

Die Bastille – Symbol des alten Regimes

Die Bastille war im 14. Jahrhundert als Teil der Stadtbefestigung errichtet worden. Ab dem 17. Jahrhundert diente sie jedoch als Staatsgefängnis. Daher stammte ihr schlechter Ruf, vielen galt sie als Symbol für die Willkürherrschaft der französischen Könige.

Die Bastille vor dem Jahr 1789; Bild: Jérôme Blume.

Am 14. Juli 1789 saßen hier gerade einmal sieben Menschen ein, die meisten von ihnen Kleinkriminelle. Der Kommandant der Bastille, Bernhard-Réné Jordan de Launay, hatte den Posten von seinem Vater geerbt. Bis zu diesem Zeitpunkt war seine Laufbahn ohne besondere Ereignisse verlaufen.

Das änderte sich nun, als revolutionäre Pariser:innen vor seinen Toren stehen und die Öffnung der Festung fordern. Im Gegensatz zu den Soldaten im Invalidendom entschied sich der Kommandant zu einem anderen Weg: Er ließ seine Soldaten auf die Menge feuern.

Zweiter Ansturm und Kapitulation

 Die Pariser:innen vor den Toren waren ohne Schutz und somit leichtes Ziel für die Soldaten der Bastille. Über 90 von ihnen starben im Kugelhagel, beinahe nochmal so viele wurden verletzt. Die Bürgerwehr zog sich daraufhin zurück – zunächst.

Nur wenig später marschierte die wütende Menge wieder auf. Diesmal mit mehr Soldaten an ihrer Seite und mit Kanonen. Gegen die Kanonen hätte auch das Tor der Bastille nicht standhalten können. Kommandant de Launay entschied sich daher zur Kapitulation. Er ließ die Tore öffnen – die Pariser:innen strömten nun ungehemmt in die Feste.

Der Sturm auf die Bastille, Gemälde von Jean-Pierre Houël (1789). In der Mitte sieht man die Verhaftung des Kommandanten.

Dort fanden sie die von ihnen erhofften Pulvervorräte. Desweiteren befreiten sie die dort einsitzenden Gefangenen.

Bald richtete sich der Zorn der Menge gegen den Kommandanten, der auf sie hatte schießen lassen. Zwar hatte man ihm für die Kapitulation freies Geleit zugestanden und er wurde tatsächlich unter Geleitschutz Richtung Rathaus geführt. Doch auf dem Weg dahin wurde de Launay mehrmals attackiert, schließlich tödlich verwundet und letztlich von einem Metzger geköpft. Unter Jubel trug man seinen Kopf durch die Straßen – ein Bild, was sich in den kommenden Monaten und Jahren vielfach wiederholen sollte.

Die Bedeutung der Erstürmung der Bastille

Warum also gilt heute der Sturm auf die Bastille als einer der entscheidenden Tage für die Entwicklung von Demokratie?

Militärisch und strategisch war die Erstürmung der Bastille kaum von Bedeutung. Die dort erbeutete Munition wurde nicht eingesetzt, das Bürgerheer musste sich nie gegen königliche Truppen verteidigen.

Ein Model der Bastille, geschaffen 1789/90; Bild: Pierre-Yves Beaudouin / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Als gefallenes Symbol des ancien Régimes hingegen wuchs die Bedeutung der Bastille im Verlauf der Revolution immer weiter an. Mit der Bastille war ein Zeichen königlicher Herrschaft gefallen, und damit begann auch die tatsächliche Machtverschiebung in Frankreich. Die Monarchie kam an ihr Ende, die Bürger:innen griffen nach der Macht – auch gewaltvoll.

Schon die Bürger:innen Paris begriffen dies zu der Zeit und machten den Sturm auf die Bastille zu einem Mythos. In den folgenden Wochen trugen Handwerker die Bastille Stein für Stein ab. Aus besonders großen Steinblöcken fertigten sie Miniaturen der Bastille. Eine davon erhielt die Nationalversammlung, die nur einen Monat nach dem Sturm die Erklärung der Menschenrechte verfasste.

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Über uns 
Annalena B. arbeitet bei Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. als Projektkoordinatorin im Bereich Demokratiegeschichte.

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