Im Februar findet in den USA sowie in einigen anderen Ländern jährlich der Black History Month statt. Ein Gedenkmonat, der die Geschichte und Erfahrungen von Schwarzen Menschen würdigt.
Entstehung und Geschichte
Seinen Ursprung hat der BHM in einer einwöchigen Bildungsinitiative aus dem Jahr 1926. Diese sollte auf den Rassismus im Bildungssystem der USA aufmerksam machen und etablierte sich dann über die Jahre immer mehr. Initiiert wurde die Aktion durch den afroamerikanischen Historiker und Aktivisten für die Rechte Schwarzer Menschen, Carter G. Woodson. Er gründete zudem die ASALH (Association for the Study of African American Life and History) und ist heute als der „Vater der Schwarzen Geschichte“ bekannt.
In den 70er Jahren entstand dann der Name Black History Week und im Kontext der Black-Power-/Schwarzen Bürgerrechtsbewegungen intensivierten und weiteten sich die Aktivitäten anlässlich der Aktionswoche so stark aus, dass die ASALH diese 1976 auf einen ganzen Monat verlängerte. Kurz darauf wurde der Monat Februar auch offiziell von der Regierung der Vereinigten Staaten zum Black History Month beziehungsweise African-American History Month erklärt.
Den Februar hatte Carter G. Woodson damals ausgewählt, da sowohl Präsident Abraham Lincoln als auch Frederick Douglass, der ehemals versklavte Abolitionist und Schriftsteller, im Februar geboren wurden. Beide feierte man innerhalb der afroamerikanischen Community als Symbole der Freiheit.

Der Black History Month in den USA hat jedes Jahr ein Thema, welches von der ASALH gewählt wird. 2026 lautet dieses anlässlich des 100-jährigen Jubiläums “A Century of Black History Commemorations”.
Was ist die Intention des Black History Month?
Ziel des Black History Month ist es, das Bewusstsein für Schwarze Geschichte sowie den Stolz auf diese innerhalb der Community zu stärken. Im Zusammenhang mit dem BHM spricht man deshalb auch über Empowerment.
Ein besonderer Fokus wird darauf gelegt, die Leistungen, Erfahrungen sowie die Geschichte und Kultur der afrikanischen Diaspora zu ehren. Doch es geht im Rahmen des BHM nicht nur um einzelne Personen und Ereignisse. Sondern auch darum, die Strukturen hinter Missständen wie Rassismus sichtbar zu machen, sich entsprechend rassismuskritisch weiterzubilden sowie hartnäckige Mythen der eurozentrischen Geschichtsschreibung richtigzustellen.
Der Black History Month in Deutschland
Auch in Deutschland gibt es seit den 90er-Jahren Veranstaltungen und Aktionen zum Black History Month. Darunter beispielsweise Feste, Ausstellungen, Vorträge und Workshops. Auch Projekte wie der „BLACK OURSTORY MONTH” (BOM) des Vereins Each One Teach One e. V. finden im Februar statt.
Etabliert wurde der BHM in Deutschland durch den Aktivismus von Einzelpersonen, Vereinen und Organisationen wie der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. Also durch das jahrelange Engagement von Schwarzen Menschen und People of Color.
Warum ist der BHM auch bei uns wichtig?
Die Geschichte Schwarzer Menschen ist Teil der deutschen Geschichte. Ein Fakt, der noch immer zu selten anerkannt wird.
Seit dem 13. Jahrhundert leben Menschen afrikanischer Herkunft in Zentraleuropa. Im 19. und 20. Jahrhundert war das deutsche Kaiserreich in den Kolonialismus in Afrika involviert, profitierte maßgeblich von der Ausbeutung von Land und Menschen und war verantwortlich unter anderem für die zahlreichen Opfer des Genozids an den Ovaherero und Nama sowie die des Maji-Maji-Aufstands. Nach dem Ersten Weltkrieg und zur Zeit des Nationalsozialismus erlebten Schwarze Menschen in Deutschland strukturell rassistische Gewalt. Auch im geteilten Deutschland prägten die Erfahrungen von z. B. Kindern Schwarzer Besatzungssoldaten oder Schwarzen Vertragsarbeiter*innen und Studierenden die Geschichte mit.
Die Geschichte Schwarzer Menschen ist im deutschen Bildungssystem nur sporadisch präsent und wird von der Mehrheitsgesellschaft wenig gewürdigt. Das gilt nicht nur für die gewaltsame Geschichte der letzten Jahrhunderte, sondern auch für die bedeutsamen Errungenschaften und gesellschaftlichen Beiträge, den Kampf um Gleichberechtigung und die wichtigen Persönlichkeiten in diesem Zusammenhang wie z. B. May Ayim oder die Familie Diek .

Der Black History Month leistet nicht nur einen Beitrag dazu, diese Lücken in der Geschichtsschreibung und in der öffentlichen Sichtbarkeit zu füllen, sondern könnte auch eine Möglichkeit sein für Deutschland, Verantwortung zu übernehmen für die Folgen kolonialer Ausbeutung und rassistischer Gewalt.
Kritische Stimmen im Kontext des BHM
Dr. Elisabeth Kaneza –Expertin für Antirassismus, Intersektionalität und Geschlechtergerechtigkeit bei Amnesty International
Denn von öffentlicher Seite, also von Bund, Ländern und Kommunen, erhält die Aufarbeitung Schwarzer Geschichte bisher wenig Beachtung. So auch der Black History Month, der in Deutschland weder gesetzlich anerkannt ist noch eine feste Finanzierung erhält.
Jedoch wird nicht nur die fehlende Unterstützung und Finanzierung, sondern teilweise auch das Format selbst kritisiert. Vor allem das Argument, dass sich die Wertschätzung Schwarzer Geschichte oftmals nicht über den Februar hinaus auswirkt, kommt immer wieder auf. Dass man die Schwarze Geschichte separiert, statt sie als einen normalen Teil der Geschichte wahrzunehmen, empfinden ebenfalls einige Menschen als kritisch.
Literatur
ASALH - The Founders of Black History Month | About Black History Month
Black History Month 2026: Geschichte, Bedeutung & Veranstaltungen
Der Black History Month | bpb.de
Die Unsichtbarkeit des Black History Month in Deutschland
Black History Month: Gedenken lässt sich nicht kopieren | taz.de
Website der Bildungsstätte Anne Frank: Die Geschichte des Black History Month - und seine Bedeutung in Deutschland


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