Demokratiegeschichten

Das Hambacher Fest als Geburtstag der Deutschen Demokratie. Erinnerung an Erardo Cristoforo Rautenberg.

 

„Aufrechter Demokrat“, „lupenreiner Demokrat“, „Demokrat mit Herz und Verstand“ … Wortgewaltig und mitunter pathetisch ist die Liste der Bezeichnungen für Menschen, denen wir eine besonders demokratische Haltung zuschreiben. Nicht immer ist eindeutig, was genau im Denken und Handeln dieses oder jenes Menschen so besonders und lupenrein demokratisch ist? Die Maßstäbe scheinen zu variieren.

Als der Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg, Erardo Cristoforo Rautenberg, im Juli 2018 stirbt, nennt der Bundespräsident ihn einen „mutigen Demokraten“. Im Fall Rautenbergs wird es nur wenige Zweifler an seinem Mut zur Demokratie geben.  Im März 1996 kommt Rautenberg als Generalstaatsanwalt in das Land Brandenburg. Als „Nazi-Jäger“ schreibt er Geschichte und wird über die Grenzen der Mark Brandenburg  hinaus bekannt. Früher und härter als andere Bundesländer geht er gegen Neonazis vor. Vor allem bricht er mit dem Tabu der alten Bundesrepublik wegzuschauen und zu schweigen wenn Asylbewerberheime brennen und Punks totgetreten werden. Den Kampf gegen den Rechtsextremismus sieht Rautenberg als eine „patriotische Pflicht“ aller – von stramm konservativ bis autonom. Er hält den Neonazis einen ‚Patriotismus der Demokraten‘ entgegen. Das Nationale will er ihnen nicht überlassen, nur weil sie die Symbole besetzen.

Demokratiegeschichte als Triebfeder

Was ihn antreibt, ist die Geschichte der deutschen Freiheitsbewegung, die Demokratiegeschichte sowie demokratische Vorbilder. Sie sind für ihn lebendige Geschichte. Nicht nur an seinem Dienstsitz, selbst in seinem Garten hängt die Schwarz-Rot-Goldene Fahne. Sie erinnert an die Fahne des Hambacher Festes 1832, als sich schwache Bürger im Vormärz aufmachten, um die deutsche Einheit und Freiheit zu fordern. Rautenberg wünscht sich, an jedem letzten Sonntag im Mai zur Erinnerung an das Hambacher Fest den „Geburtstag der Deutschen Demokratie“ zu feiern. Auch an die Revolution von 1848 erinnert Rautenberg. Die Benennung des Platzes neben dem Potsdamer Landtag nach Otto Braun, den letzten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Preußens, geschieht auf Rautenbergs Initiative. Er kämpft dafür, den 17. Juni zum Gedenktag für die Opfer des SED-Regimes zu machen. An diesem Tag 1953 wurde in der DDR der Aufstand niedergeschlagen, den die Arbeiter wagten.

Rautenberg hat sich an der Demokratiegeschichte orientiert. An Erardo Cristoforo Rautenberg wird man sich gewiss als „mutigen Demokraten“ erinnern.  Vielleicht auch orientieren.

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arbeitet bei Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. Der Begriff SEITEN:BLICK steht für die Blicke, die wir links, rechts und hinter "die Dinge" werfen wollen.

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