Demokratiegeschichten

Streit gehört zur Demokratie

Streit gehört zur Demokratie wie die Tomate zum Tomatensalat. Dabei ist es doch nur allzu menschlich, jeglichem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Wer will schon immer streiten?
Mitunter lohnt es sich. Streiten ist nämlich nichts anderes, als dass Menschen unterschiedlicher Meinung sind und es einander sagen. Doch es kommt nicht nur darauf an. Am wichtigsten ist, dass alle, die beteiligt sind, eine Lösung finden, bei der niemand als Opfer hervorgeht. Das ist sogenanntes friedliches Streiten.

 

Der friedliche Streit

Der friedliche Streit gehört nicht zwingend zu den deutschen Tugenden – ähnlich wie der Kompromiss. Im 30 jährigen Krieg entluden sich die Meinungsverschiedenheiten zwischen Kaiser, Katholischer Liga und Protestantischer Union auf den Schlachtfeldern. Und selbst die Weimarer Republik, wäre ohne den blutigen Matrosenaufstand in Kiel im November 1918 nicht denkbar. Wichtig ist, dass der 30 jährige Krieg sowie der Matrosenaufstand nicht in Demokratien stattfanden. Die kam in Deutschland erst später. Als die Demokratie eingezogen war, blieben die Säbel in der Tasche – jedenfalls unter den Regierenden. Stattdessen lieferten sich einige Jahrzehnte später die Abgeordneten des Bundestages heftige Wortgefechte. So manche Debatte in der jungen Bundesrepublik war eine Lehrstunde in Sachen Demokratie. Wenn es gelegentlich hoch herging, Ordnungsrufe gegen zu stürmische Debattierer erteilt wurden – und nach erfolgreicher Abstimmung sich die eben noch erbitterten Gegner die Hände schüttelten.

 

Streit ist Würze

„Streit ist die Würze der Ehe“, sagt meine Mutter. Ohne Gewürze schmeckt kein Essen. Will sagen, ein Konflikt rundet Partnerschaften und jegliche Art von Beziehungen ab. Und sei es die Verbindung von Nachbarn in einer Kommune oder von Abgeordneten in einem Parlament. Denn am Ende eines Konfliktes kann eine romantische Versöhnung oder eben ein guter Kompromiss stehen. Streit kann etwas positiv Belebendes sein. Entscheidend ist jedoch das Wörtchen „friedlich“. Friedlich streiten bedeutet so viel wie auf Augenhöhe, konstruktiv, aushandelnd, ergebnisorientiert streiten. Streit muss nicht Spaß machen, aber im Idealfall kann er zu einem befriedigenden Ergebnis für alle führen.

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arbeitet bei Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. Der Begriff SEITEN:BLICK steht für die Blicke, die wir links, rechts und hinter "die Dinge" werfen wollen.

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