Demokratiegeschichten

Demokratie im Deutschen Historischen Museum

Ausstellung „Weimar: Vom Wesen und Wert der Republik“

Das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin ist für Demokratieinteressierte gegenwärtig gleich in zweierlei Hinsicht einen Besuch wert. Einerseits lässt einen die Ausstellung „Weimar: Vom Wesen und Wert der Demokratie“ lebensnah in die Geschichte der ersten deutschen Demokratie eintauchen. Klug sind hier historische Exponate,– z.B. Kriegswaffen, Radioempfänger und Wahlkampfplakate – mit kurzen Erläuterungstexten kombiniert. Im Laufe des Rundgangs kriegt man dadurch das Gefühl vermittelt, eine Innenperspektive auf die Weimarer Gesellschaft einzunehmen – greifbar und lebensecht.

Demokratie 2019 / Weimar: Vom Wesen und Wert der Demokratie 4. April bis 22. September 2019 Deutsches Historisches Museum Foto: David von Becker

Zur Demokratiegeschichte gehört nämlich nicht nur die Politikgeschichte im engeren Sinne. Revolutionen und Parlamentsbeschlüsse, Demonstrationen und Wahlen sind zweifelsohne von zentraler Bedeutung. Aber um eine Demokratie „nachfühlen“ zu können, muss man sich die Gesellschaft im Ganzen vor Augen führen. Wie hatte sich die Lebenswelt der Menschen zu dieser Zeit verändert? Wie die Architektur, wie die Sexualkultur, wie die Rolle der Frau? In welchen Symbolen wurden die gesellschaftlichen Kämpfe ausgetragen, welche Visionen gab es für die Politik, welche fürs Bildungswesen?

All diese Fragen vermitteln etwas, das man „Lebensgefühl“ nennen könnte. Und dieses war in Weimar, stärker als häufig geglaubt, demokratisch geprägt. Das ist eine Kernthese, die die Ausstellung des DHM vermitteln will: Die Weimarer Republik war mitnichten eine „Demokratie ohne Demokraten“! Denn demokratische Kultur war in allen Lebensbereichen wiederzufinden. Das kriegt man bei einem Besuch der noch bis zum 22. September geöffneten Ausstellung „Weimar: Vom Wesen und Wert der Demokratie“ eindrucksvoll vorgeführt.

Das Demokratielabor

Blick ins Demokratie-Labor; © DHM/P. Schützhold

Andererseits lohnt der Museumsgang noch für eine zweite Erfahrung, nämlich die des „Demokratielabors“. Wer diese interaktive Ausstellung noch nicht besucht hat, sollte sich beeilen, da sie nur noch bis zum 4. August ihre Türen offen hat. Ob mit oder ohne Gruppe lassen sich hier Aushandlungsprozesse rund um die Demokratie nachvollziehen, diskutieren und mitgestalten.

Demokratie-Labor; © DHM/T. Bruns

An verschiedenen Stationen wird der Fokus auf unterschiedliche Aspekte gesetzt, z.B. auf Rassismus, Partizipation oder soziale Ungleichheit. Filmsequenzen, Stellwände und Bücher liefern anschauliche Informationen, „Spielstationen“ lockern auf, und an einer großen Wand kann man sogar sein eigenes Statement zur Demokratie auf einer Karte verewigen.

Wie im großen Demokratielabor unserer Gesellschaft kann man hier beobachten, wie alles stets in Bewegung ist. Demokratie als fortlaufender Aushandlungsprozess unter allen Bürgerinnen und Bürgern – diese Haltung sollte man nach einem Besuch im „Demokratielabor“ des DHM mit hinaus in die Gesellschaft tragen.

Artikel Drucken
Über uns 

0 Kommentare

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.