Demokratiegeschichten

Flucht aus der DDR – die neue Blog-Reihe

Die Geschichte kennt viele Beispiele von Menschen, die vor Unterdrückung und Willkürherrschaft geflohen sind. Ihr Ziel war es, in Freiheit leben zu können. Zahlreiche unserer Demokratiegeschichten handeln bereits davon, was diese Menschen bereit waren, für dieses Bestreben zu opfern.

In einer neuen Reihe möchten wir nun Geschichten von Menschen erzählen, die aus der DDR geflohen sind, auch um ihren Traum eines demokratischen Lebens zu verwirklichen. Nach 1961 mussten viele von ihnen dafür ein Hindernis überwinden, das mittlerweile eine Metapher für Unfreiheit und Repression geworden ist: die Berliner Mauer.

Auswanderung als existenzielles Problem für den Staat

Insgesamt verlassen ca. 3,4 Millionen Menschen den sozialistischen Osten Deutschlands, meist in den Westen. Bereits vor Gründung der Deutschen Demokratischen Republik lassen viele Menschen die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) hinter sich. Die „Republikflucht“, wie das sozialistische Regime die Auswanderung nennt, wird zunehmend zum Problem. Die Gründe, warum sich die Menschen zum Verlassen der DDR entscheiden, sind dabei vielfältig. Die meisten gehen aus politischen Gründen, es sind aber auch familiäre sowie wirtschaftliche Faktoren entscheidend.

Für die DDR als Staat ist die Abwanderung ihrer Bürger*innen ein enormer wirtschaftlicher Schaden. Viele von ihr ausgebildete Fachkräfte, die das System dringend benötigt, gehen verloren. Ebenso gehen damit aber ideologische Schäden einher. Die Überlegenheit des Sozialismus lässt sich nur sehr schwer belegen, wenn ihm so viele Menschen den Rücken kehren.

Illegalität als einziger Ausweg

Die Abwanderung ihrer Bürger*innen zu verhindern wird deshalb bald eine zentrale Aufgabe der DDR-Regierung. Die Maßnahmen gehen schließlich so weit, dass Reisen ins nichtsozialistische Ausland für durchschnittliche DDR-Bürger*innen im Grunde unmöglich werden. Sie sind an nahezu unerfüllbare Bedingungen und enorme Restriktionen gebunden.

Beim Mauerbau 1961 werden Betonblöcke aufgestellt, Foto: Bundesarchiv, Bild 173-1321 / Helmut J. Wolf / CC-BY-SA 3.0

Denen, die die DDR verlassen möchten, bleibt dann häufig nur noch die illegale Flucht. Um auch dies zu verhindern, riegelt die DDR-Führung die Grenze zunehmend ab. Dies gipfelt am 13. August 1961 im Bau der Berliner Mauer. Doch auch die innerdeutsche Grenze wird bereits ab 1952 verstärkt mit Sperranlagen versehen.

Mehr als die Hälfte aller Fluchtversuche erfolgen deshalb von Ost- nach West-Berlin, da die Sektorengrenzen bis zum Bau der Mauer relativ durchlässig bleiben. Bis dahin ist bereits etwa ein Sechstel der DDR-Bevölkerung in den Westen geflüchtet. Nach dem Mauerbau nehmen die Menschen vermehrt den Weg über Drittstaaten.

Alles auf eine Karte setzen

Doch auch weiterhin spielen sich viele Fluchtgeschichten in der geteilten Stadt ab. Zwischen Mauerbau- und Mauerfall gelingt mindestens 5.075 DDR-Bürger*innen in und um Berlin herum die Flucht in den Westteil, immer unter größter Lebensgefahr. Im Falle einer Entdeckung, die häufig dank des Überwachungsapparats schon vor dem eigentlichen Fluchtversuch erfolgt, drohen mehrjährige Gefängnisstrafen. Rund 75.000 Menschen werden in der DDR wegen „Republikflucht“ verurteilt. Bei Weitem nicht alle Häftlinge kauft die Bundesrepublik frei. Über 600 Menschen sterben sogar bei ihrem Fluchtversuch von Ost nach West.

Zahlreiche Fluchtgeschichten werden zu Ikonen der deutsch-deutschen Teilung und manchmal sogar zu Sinnbildern des globalen Kalten Krieges. Weltberühmt wird etwa der Sprung des DDR-Grenzpolizisten Conrad Schumann über den noch provisorischen Stacheldraht an der Bernauer Straße/Ecke Ruppiner Straße am 15. August 1961. Er geht in die Geschichte ein als der erste Grenzpolizist, der nach Westen flieht.

Das Brandenburger Tor nach dem Mauerbau (1961), Foto: Bundesarchiv, Bild 145-P061246 / o.Ang. / CC-BY-SA 3.0

Die Fluchtversuche werden auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen unternommen. Was sie alle eint, ist der unglaubliche Mut derjenigen, die bereit sind, ihr Zuhause zurückzulassen und alles aufs Spiel zu setzen, um ein Leben in Freiheit führen zu können. In den nächsten Wochen möchten wir mit unserer neuen Blog-Reihe Flucht aus der DDR ein paar dieser Menschen und ihre Geschichten vorstellen.

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Über uns 
Ulli E. arbeitet bei Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. als Projektkoordinator im Bereich Demokratiegeschichte.

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