Demokratiegeschichten

Kinderkonferenz: Demokratie in Kinderschuhen

„Mama! Wie haben eine Kinderkonferenz!“

Ganz aufgeregt und stolz war mein Sohn heute, als ich ihn aus dem Kinderladen abgeholt habe. Seit ein paar Wochen wird „Partizipation“ dort groß geschrieben. Ein ganz schön schweres Wort, aber der Fünfjährige berichtet mir von den Aktivitäten, die er zusammen mit seinem kleinen Bruder und den anderen 30 Kindern zwischen 1 – 6 Jahre erlebt, wie selbstverständlich. Dabei ist es das gar nicht so selbstverständlich, dass selbst die Kleinsten mit einbezogen werden, sich einbringen und mitbestimmen können.

Begonnen hat alles mit der Essensauswahl. Bei uns im Kinderladen wird selbst gekocht, etwas, dass wir Eltern sehr schätzen. Und das Beste, die Kinder können nun selbst bestimmen. Jeden Freitag setzen sich die Kinder zusammen und stellen den Essensplan zusammen. Für jeden Tag sind zwei Kinder zuständig, ein Krippenkind (bis 3 Jahre) darf das Mittagessen bestimmen und ein größeres Kind (ab 3 Jahre) wählt das Frühstück aus.

Wer jetzt denkt, es gibt nun 5 mal die Woche Nutellabrötchen zum Frühstück und Pommes zum Mittag, unterschätzt die Kinder gewaltig. Die wissen sehr wohl, dass auch Lachsbrötchen und Rosenkohlauflauf lecker sein können.

Gleichzeitig lernen sie etwas über das Einkaufen – denn das machen sie nun manchmal auch und besprechen dabei die Themen Ernährung und saisonale und regionale Lebensmittel.

Ziel der Kinderkonferenz

Und nun gibt es eine Kinderkonferenz, regelmäßig wird diese stattfinden. An ihr nehmen alle Kinder ab 4,5 Jahren teil. Heute in der ersten Sitzung wurden die Vorsitzenden gewählt, ein Thema für ein Sommerprojekt bestimmt, weitere Projektideen gesammelt und Verbesserungswünsche für die Räumlichkeiten besprochen. Den Kindern erhalten so eine Möglichkeit der Mitbestimmung am Kita-Alltag. Sie können ihre Themen, Fragen, Ideen, Sorgen und Nöte einbringen. Gemeinsam werden Lösungen und Ideen gesucht und demokratisch abgestimmt. Zukünftig wird die Konferenz auch allen jüngeren Kindern regelmäßig berichten, was die besprochen und beschlossen haben und ein Feedback einholen. So, dass alle einbezogen werden.

Als ich Anfang der 1980er Jahre in den Kindergarten ging, gab es so etwas nicht… Da durften wir erst trinken, wenn der Teller leer gegessen war. Damals mussten Kinder sich vor allem nach den Regeln der Erwachsenen richten. Was ihnen wichtig ist und welche Bedürfnisse sie haben, war eher selten ein Thema.

Ziel der Kinderkonferenz ist es nicht nur, dass die Kinder nicht nur mehr wahrgenommen werden. Zudem sollen sie so einen respektvollen Umgang und IHRE Rechte kennen lernen. Grundlage für diesen partizipativen Ansatz bilden die Kinderrechte. Kinderrechte?

Kinderrechte und Pädagogik

Alles begann mit der schwedischen Reformpädagogin Ellen Key, die 1900 das Jahrhundert des Kindes ausrief. Nach ihr setzen sich auch andere Pädagoginnen und Pädagogen wie Janusz Korczak, Alexander Sutherland Neill und Eglantyne Jebb für die Kinderrechte ein. Im Laufe der Geschichte stieg das Interesse an den Rechten der Kinder. In kleinen Schritten bekamen sie immer mehr Bedeutung. Das führte dazu, dass auch auf internationaler Ebene im Rahmen von völkerrechtlichen Verträgen der Schutz und die Wahrung der Kinderrechte geregelt wurde.

Gerade mit der Kinderladenbewegung in der Bundesrepublik der 1970er Jahre wurde das Thema hierzulande wieder stärker präsent. Die UN-Konvention über die Rechte des Kindes gilt in Deutschland seit 1992: https://www.kinderrechte.de/kinderrechte/un-kinderrechtskonvention-im-wortlaut

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Über uns 
Larissa B. arbeitet bei Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.

2 Kommentare

  1. Kerstin

    14. Juni 2019 - 12:57
    Antworten

    Ein sehr anschaulicher und konkreter Artikel zum Thema „Partizipation“ Danke! es hilft manchmal das runterzubrechen und nicht nur abstrakt darüber zu diskutieren. Eine Anregung, nochmal über die eigene Institution nachzudenken in der man arbeitet. Ich denke aber auch, dass Partizipation Leitung braucht. Die Kinder werden das ja nicht alles alleine managen…

  2. L. B.

    14. Juni 2019 - 16:57
    Antworten

    Klar braucht Partizipation Begleitung!

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