Demokratiegeschichten

Auflösung der Historischen Kommission

Was ist die Nachricht?

Ende Juli 2018 gab die SPD-Parteispitze die Auflösung ihrer Historischen Kommission bekannt. Zu wenig Geld habe die Partei, auch andere Gesprächsforen seien von der Kürzung betroffen. Ob der anschließende Protest von Mitgliedern der Kommission und Wissenschaftler*innen den SPD-Vorstand umstimmen wird, ist ungewiss.

Warum die Aufregung über die Auflösung der Historischen Kommission?

Was spräche dafür, die Historische Kommission und ihre Arbeit aufrecht zu erhalten? Welchen Beitrag hat sie in den letzten Jahren geleistet?

Als die HiKo 1981 unter Willy Brandt gegründet wurde war ihr oberstes Ziel die Stärkung der sozialdemokratischen Identität der SPD. Diese hatte Anfang der 1980er Jahre mit parteiinternen Spannungen zu kämpfen. Die Besinnung auf die über 100 Jahre währende Tradition der Partei sollte einen gemeinsamen Bezugspunkt bieten und die zerstrittenen Politiker*innen wieder zusammenführen.

Seit ihrer Gründung arbeiten die Mitglieder der HiKo die Bedeutung der Sozialdemokratie für die Entwicklung der (parlamentarischen) Demokratie in Deutschland auf. Doch bleiben sie nicht nur bei ihrer wissenschaftlichen Forschung. Ihre Mitglieder mischen sich auch in historische und politische Debatten ein, organisieren Gesprächsforen und fördern Nachwuchshistoriker*innen. Die Arbeit der HiKo prägt so die deutsche Geschichts- und Erinnerungskultur mit; gleichzeitig ist sie selber Teil der Demokratiegeschichte, die ihre Mitglieder seit fast 40 Jahren erforschen.

Besonders unglücklich ist der Zeitpunkt ihrer Auflösung, wenn man sich darauf besinnt, dass sich 2018/19 die Gründung der Weimarer Republik zum 100. Mal jährt. In der Gründung haben die Sozialdemokrat*innen 1919 eine wesentliche Rolle gespielt. Ein dankbareres Thema, das zur Diskussion und Überprüfung alter und neuer Werte einlädt, kann es für die Arbeit der Historischen Kommission der SPD kaum geben.

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Über uns 
Annalena B. arbeitet bei Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.

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