Demokratiegeschichten

Der Olof-Palme-Friedensmarsch 1987

Vor 32 Jahren zog ein Friedensmarsch quer durch die DDR. Angeregt durch die Ermordung des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme ein Jahr zuvor erhoben im Zuge dieser Demonstrations-Reihe ganz unterschiedliche Menschen politisch ihre Stimme. Vom 1. bis zum 19. September zog sich der „Olof-Palme-Friedensmarsch“ von Stralsund bis Kapellendorf bei Weimar. Die politische Opposition in der DDR spielte dabei eine große Rolle. Es war das erste Mal seit langem, dass sie so frei auftreten konnte.

Angespannte Stimmung

Die politische Stimmung zu dieser Zeit war angespannt. Nicht nur hielt das autoritäre Regime der SED den demokratischen Möglichkeitsraum nach wie vor in engen Grenzen. Zugleich schwebte über allem die Bedrohung eines möglichen Krieges zwischen Ost und West. Über Jahre hatte man in dem Gefühl gelebt, dass der nukleare Weltkrieg jederzeit ausbrechen könnte. Dann wäre Deutschland wohl der zentrale Austragungsort dieses Verhängnisses geworden.

Der Wille zum Frieden

Vor diesem Hintergrund versteht man, warum sich der Wille zur politischen Teilhabe so stark in der Forderung nach Frieden ausdrückte. Die Sorge um den Frieden war der zentrale Antrieb für die Hunderte von Menschen, die im September 1987 auf die Straßen gingen und protestierten. Olof Palme wurde hierfür zum Symbol. Er hatte sich in den Jahren vor seiner Ermordung intensiv für die Abrüstung zwischen Ost und West eingesetzt. Vor allem die Idee eines atomwaffenfreien Korridors in Mitteleuropa hatte er vorangetrieben.

Hoffnung auf politische Liberalisierung

Erstaunlich und hoffnungsvoll erschien es in diesen Tagen, dass das SED-Regime von einer gewaltsamen Beendigung der Proteste absah. In den Jahren zuvor war eine solche durchaus die Regel gewesen. Bis auf vereinzelte Eingriffe blieb es nun weitgehend ruhig. So hatte man durchaus Grund zur Hoffnung auf eine gewisse Liberalisierung und Öffnung des Systems. Schon bald sollte sich aber herausstellen, dass es sich bei dem Verhalten der Regierung eher um Kalkül gehandelt hatte. Zeitgleich fand nämlich ein Besuch Honeckers in Bonn statt, und da wollte man sich in einem möglichst guten Licht darstellen. Zwei Monate nach dem Friedensmarsch zeigte denn auch eine große Stasi-Razzia in der Berliner Umwelt-Bibliothek, dass die Opposition in der DDR weiterhin unter immensen Druck stand.

Trotzdem bleibt der Olof-Palme-Friedensmarsch ein zentrales Ereignis in der Demokratiegeschichte der späten DDR. Schon wenige Jahre später sollte der Opposition mehr Erfolg vergönnt sein. Wenn wir in diesem Jahr viel erinnern an die Geschehnisse des Wendejahrs 1989, dann tun wir gut daran, auch die Vorläufer dieses Aufbruchs in den Jahren zuvor wachzurufen.

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