Demokratiegeschichten

Ernst Keil: Journalist und Redakteur gegen die Zensur

Bild von Ernst Keil erschienen in „Die Gartenlaube“ 1878; Quelle: Wikimedia.

Ernst Victor Keil wurde am 6. Dezember 1816 in Bad Langensalza geboren. Bereits während seiner Gymnasialzeit in Mühlhausen war er Anhänger der Literaturbewegung „Junges Deutschland“ und verfasste eigene Texte. Dies hielt auch an, als er nach dem Abitur freiwillig in den Dienst der preußischen Armee trat.

Nach seinem Militärdienst erlernte Keil in der Hofbuchhadlung Hoffmann in Weimar Buchhandel. Das Geschäft war eng mit dem Hof des Großherzogs Karl August von Sachsen verbunden. Auf diesem Wege lernte Keil unter beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe kennen.

1837 erhielt Ernst Keil eine Anstellung in der Leipziger Weygand Buchhandlung. Diese gehörte zu den größten Buchhandlungen im Königreich Sachsen und fungierte zudem als Treffpunkt und Zentrum diverser liberaler Bewegungen. In dieser Zeit begann Keil neben seiner Arbeit als Buchhändler auch als Journalist zu arbeiten. 1838 wurde er Redakteur der Zeitschrift „Unser Planet“ (später „Wandelstern“). Unter seiner Leitung wurde die Zeitschrift eine der meist gelesenen deutschen Publikationen ihrer Zeit.

Allerdings gab es immer wieder Probleme mit der Zensur: Die Zeitschrift kritisierte die politische Situation, mehrmals beschlagnahmte die Polizei die Druckexemplare. Schließlich war Keils Situation politisch so bedenklich, dass er den Planeten nicht länger herausgeben konnte.

Der Leuchtthurm

Doch Ernst Keil ließ sich von den Zensurbehörden nicht aufhalten. 1845 gründete er in Leipzig eine eigene Buchhandlung. Nur ein Jahr später brachte er das Monatsblatt „Der Leuchtthurm“ heraus, das er auch als Redakteur betreute. Es gelang Keil, mehrere bekannte Vertreter der liberalen Bewegung als Autoren für seine Zeitschrift zu gewinnen. Darunter waren unter anderem Robert BlumJohann JacobyGustav Adolf WislicenusLeberecht Uhlich. Wie zuvor der Planet brachte der Leuchtthurm politisch radikale Ansichten zum Ausdruck. Gleichzeitig war er einer großen Leserschaft zugänglich und traf den Geist der Zeit. Heute gilt der Leuchtthurm deshalb als eine der wichtigsten Publikationen des Vormärz, der Epoche vor der Märzrevolution 1848-1849.

Karikatur „Die Gute Presse“ (1847), erschienen in der Zeitschrift „Leuchtthurm“; Quelle: Wikimedia

Ein Beispiel für die Satire des Leuchtthurms seht ihr in der Karikatur „Die gute Presse“ von 1847. Mehrere Elemente kritisieren die zu der Zeit weit verbreitete Zensur: Ein Maulwurf (Symbol für Blindheit) trägt eine Fahne mit einem Krebs, der ein Zeichen für Rückschritt ist. Der Spiegel des Krebses wiederum der Spiegel drückt Rückwärtsgewandtheit aus. Der Scherenkopf und der Stift stehen für die Zensur, die Augen für Überwachung. In der Hand hält die Figur zudem eine Rute, die ein Zeichen für Bestrafung und Repression ist. Die an die Leine genommenen Kinder stehen für die bevormundeten Bürger*innen. Hinter ihnen läuft eine Person mit Schafskopf, eine Anspielung auf die Dummheit des Staates. Im Hund Spitz steckt schon ein Teil des Wortes Spitzelei, womit das letzte Element des Bildes geklärt wäre.

Die Bildunterschrift lautet:

Süße heilige Censur; laß uns gehn auf deiner Spur; Leite uns an deiner Hand Kindern gleich; am Gängelband!

Die Märzrevolution und die Zeit danach

Mehrmals musste Ernst Keil wegen Verfolgung durch die Polizei den Verlagsort wechseln. Zunächst nach Zeitz, dann nach Magdeburg, Halle, Dessau, Bremen und Braunschweig. Erst mit der einsetzenden Revolution 1848 konnte er die Zeitschrift nach Leipzig zurück holen.

Doch mit dem Sieg der Reaktion nur ein Jahr später begann die Verfolgung erneut. 1851 wurde der Leuchtthurm ein für alle mal verboten und Ernst Keil selber zu einer neunmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Es sah so aus, als wäre es mit dem Verleger Keil zu Ende.

Die Gartenlaube

Ausgerechnet im Gefängnis kam Ernst Keil die Idee, die zu seinem vielleicht größten Erfolg wurde. Keil ersann eine Wochenzeitschrift, geeignet und ansprechend für die ganze Familie. Darin sollten sich unterhaltende, aber auch belehrende Artikel finden. Berühmte Schriftsteller*innen würden Artikel schreiben, deutsche und ausländische Kultur, Wissenschaft, Gesundheit, Literatur und viele andere Themen besprochen werden. Dabei immer mitschwingend: Die liberalen Ideen der Aufklärung und der Wille zur Nationalstaatsbildung. Als Zielgruppe sah Klein insbesondere die Mittel- und Unterklasse. 

Die Gartenlaube, 1853
Illustrirtes Familienblatt

Ernst Kleins Idee ging auf. Am ersten Januar erschien sein neues Magazin mit dem unauffälligen Titel „Die Gartenlaube“, benannt nach seiner Laube in Leipzig. Zwar konnte er bis 1962 nicht selber offiziell als Herausgeber auftreten, da er seine Bürgerrechte verloren hatte. Trotzdem verbreitete sich die Gartenlaube innerhalb kürzester Zeit im deutschsprachigen Raum. Als erste deutschsprachige Zeitschrift überhaupt erreichte sie 1861 eine Auflagenzahl von über 100.000 Exemplaren. Damit gilt sie als erstes erfolgreiches deutsches Massenmagazin.

Am 1. Januar 1878 feierte Keil mit seiner Firma den 25. Geburstag der Zeitschrift. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Auflagenzahl 382.000 Exemplare. Die Leserschaft wird auf ungefähr 2 Millionen geschätzt, da viele Exemplare in Cafés auslagen und mehrmals gelesen wurden. Auch in Auswandergemeinschaften in den USA, Lateinamerika und den deutschen Kolonien wurde die Gartenlaube gelesen.

Nur drei Monate nach dem 25. Jubiläum der Gartenlaube starb Ernst Keil in Leipzig. Über mehrere Jahre blieb die Gartenlaube die dominierende Zeitschrift auf dem deutschen Markt. Heute ist sie eine der wichtigsten Quellen des 19. Jahrhunderts für Medien- und Kulturhistoriker*innen. Denn sie spiegelt die sich oft (scheinbar) widersprechenden Ansichten Keils und seiner Zeit wider: Liberalismus und Nationalismus, Tradition und Moderne, Romantik und Aufklärung. Im Gegensatz zu einigen Staatsoberhäuptern seiner Zeit hatte Keil verschiedene Ideen und Ansichten zugelassen.

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Über uns 
Annalena B. arbeitet bei Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. als Projektkoordinatorin im Bereich Demokratiegeschichte.

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