Demokratiegeschichten

Eva Mamlok: eine jüdische Widerstandskämpferin

Eva Mamlok gehörte bereits als Jugendliche zu den Frauen, die Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisteten. Ihre Geschichte steht exemplarisch für den Mut vieler Frauen, deren Handeln kaum Beachtung geschenkt wurde.

Jugend im Widerstand

Eva Mamlok wurde am 6. Mai 1918 in eine jüdische Familie in Berlin-Kreuzberg geboren. Schon früh engagierte sie sich in der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ). Nachdem die Nationalsozialisten die Organisation 1933 zerschlugen, blieb sie politisch aktiv und beteiligte sich weiterhin an Widerstandsaktionen.

In diesem Zusammenhang kam es zu ihrer ersten Verhaftung. Sie kletterte auf das Dach eines Warenhauses am Halleschen Tor und hinterließ dort die Parole „Nieder mit Hitler!“. Aufgrund ihres Alters von nur 14 Jahren wurde sie kurze Zeit später wieder freigelassen.

Aktenkundig wurde ihr Widerstand erstmals 1934. Eva Mamlok legte wiederholt auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde, dem sogenannten „Friedhof der Sozialisten“, Kränze für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht nieder. Infolgedessen wurde sie gemeinsam mit weiteren Beteiligten wegen „staatsfeindlichen Verhaltens“ verhaftet und in sogenannte „Schutzhaft“ genommen.

Daraufhin wurde sie am 20. Dezember 1934 als 16-Jährige in das Konzentrationslager Moringen überführt, wo sie bis zum 8. Mai 1935 inhaftiert blieb. Trotz dessen setzte sie nach ihrer Entlassung ihren Widerstand konsequent fort.

„Gruppe um Eva Mamlok“: Widerstand während der Zwangsarbeit

Ab 1940 musste Eva Mamlok als Jüdin Zwangsarbeit leisten. Sie arbeitete in der Fabrik der F. Butzke Schrauben-Industrie und Fassondreherei GmbH in Berlin-Kreuzberg, in der vermutlich Rüstungsgüter produziert wurden.

Während dieser Zeit lernte sie Inge Berner kennen. Gemeinsam mit weiteren Frauen bildeten sie eine Widerstandsgruppe. Die Gruppe verlieh verbotene Literatur, schrieb Anti-Hitler-Parolen an Hauswände und verteilte Flugblätter.

Inge Berner war nach 1945 die einzige Überlebende der Gruppe. Ihren Erinnerungen verdanken wir heute viele Informationen über Eva Mamlok. Später beschrieb sie Eva als besonders lebensfrohen und mutigen Menschen.

Verhaftung, Deportation und Ermordung

Im September 1941 verhafteten die Nationalsozialisten Eva Mamlok gemeinsam mit zwei weiteren Frauen wegen des Verleihs verbotener Bücher.

Daraufhin folgte am 13. Januar 1942 die Deportation nach Riga. Bis 1944 war Eva Mamlok gemeinsam mit Inge Berner und weiteren Frauen der Widerstandsgruppe im Ghetto Riga sowie im Konzentrationslager Riga-Kaiserwald inhaftiert. Selbst unter diesen Bedingungen blieb sie im Widerstand aktiv. Nach der Auflösung des KZ Kaiserwald wurde Eva Mamlok am 1. Oktober 1944 in das Konzentrationslager Stutthof deportiert.

Dort trennten sich die Wege von Inge Berner und Eva Mamlok. Über ihr weiteres Schicksal ist nur wenig bekannt. Laut Totenschein starb Eva Mamlok am 23. Dezember 1944 an „allgemeiner Körperschwäche“. Hinter dieser Formulierung verbargen sich die Folgen von Hunger, Zwangsarbeit, Krankheiten und unmenschlichen Haftbedingungen.

Die Nationalsozialisten deportierten auch ihre Mutter, Großmutter und Schwester am 19. Oktober 1942 nach Riga. Evas dreijährige Tochter Tana wurde nach der Deportation ihrer Großmutter im Jüdischen Waisenhaus in der Schönhauser Allee in Berlin untergebracht. Am 29. November 1942 wurde Tana nach Auschwitz-Birkenau verschleppt und dort ermordet.

Erinnerung und Leerstellen

Insgesamt zeigt die Biografie Eva Mamloks, wie viele Leerstellen bis heute in der Erinnerung an Frauen im Widerstand bestehen. Von ihr selbst sind nur wenige Dokumente erhalten. Ihr Abschiedsbrief an ihren Verlobten Pieter Siemsen gehört zu den wenigen bekannten persönlichen Zeugnissen.

Im Sommer 2024 widmete das FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum der „Gruppe Eva Mamlok – Widerstandsgeschichten“ eine vielbeachtete Ausstellung. Sie verdeutlicht, wie fragmentarisch viele Biografien von Frauen im Widerstand bis heute überliefert sind.

Eva Mamlok heute

Dank solcher Erinnerungsarbeit erfährt Eva Mamlok heute zunehmend öffentliche Würdigung. 

So soll der Blücherplatz am Halleschen Tor in Berlin-Kreuzberg künftig in Eva-Mamlok-Platz umbenannt werden. Außerdem wurde am 7. Mai 2026 eine Briefmarke zu Ehren Eva Mamloks in der Reihe „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ vorgestellt.

Eva Mamloks Geschichte erinnert daran, dass Widerstand oft von Frauen getragen wurde, deren Namen lange kaum bekannt waren. Viele von ihnen bleiben bis heute unsichtbar.

Trotz Verfolgung, Haft und Zwangsarbeit setzte Eva Mamlok ihren Widerstand fort. Ihre Biografie zeigt eindrucksvoll, welchen Mut und welche klare Haltung Menschen selbst unter unmenschlichsten Bedingungen bewahren können.

Hier gibt es weitere Biografien von Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus: https://www.frauen-im-widerstand-33-45.de

Literatur:
https://evamamlok.de/
https://www.stolpersteine-berlin.de/de/lindenstrasse-neuenburger-strasse/1/eva-mamlok
https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Briefmarken/2026/2026-05-05-sonderpostwertzeichen-eva-mamlok.html

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Lilian B. arbeitet bei Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. als studentische Hilfskraft.

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