Demokratiegeschichten

Polio in der BRD – Epidemien als Propagandamittel im kalten Krieg (II)

Das Recht auf kindliche Unversehrtheit gegen das Allgemeinwohl: Impfen spaltet die Gemüter. Zuletzt noch Anfang März, als die Masern-Impfung für Kitas und Schulen eingeführt wurde. Doch was heute v. a. eine Prinzipienfrage ist, war im geteilten Deutschland ein Streit der politischen Systeme. So etwa 1960: Da wurde in Deutschland ein Impfstoff gegen Poliomyelitis – kurz: Polio – eingeführt. Allerdings zunächst nur in der DDR.

Polio – eine Zivilisationskrankheit

Einzelne Fälle von Polio existierten seit Jahrhunderten, vermutlich Jahrtausenden. Doch Anfang der 1880er-Jahre begann die Krankheit sich epidemisch auszubreiten. Denn bizarrerweise führten gerade die verbesserten Hygiene- und Sanitärmaßnahmen dazu, dass Menschen weniger in Kontakt mit dem Virus kamen. Und daher auch keine Immunisierung mehr bildeten.

Franklin D. Roosevelt, Fala and Ruthie Bie at Hill Top Cottage im Hyde Park, N.Y.  Es existieren nur zwei Fotos von Roosefeld im Rollstuhl.

Weil vor allem Kinder und Jugendliche an Polio zu erkranken schienen, erhielt die Krankheit bald den geläufigen Namen “Kinderlähmung”. Seit 1910 kam es in den USA und Europa alle 5-6 Jahre zum Ausbruch einer Epidemie. Allein in Deutschland erkrankten von 1910-1961 ungefähr 100.000 Menschen.

Als eines der bekanntesten Persönlichkeiten, die an Polio erkrankte, gilt der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt. Wie bei vielen Polio-Erkrankten blieben auch bei Roosevelt nach der Genesung Lähmungen zurück. Zeit seines Lebens war er auf Gehhilfen und einen Rollstuhl angewiesen.

Polio Anfang der 1960er- Jahre

Zurück – beziehungsweise voraus – ins Jahr 1952. In diesem Jahr testete der US-amerikanische Virusforscher Jonas Salk erstmals den von ihm entwickelten Impfstoff. Dieser Impfstoff beruhte auf toten Zellen und wurde gespritzt. Bis Anfang der 1960er-Jahre ging die Zahl der Erkrankungen in den USA um mehr als 90% zurück.

In dieser Zeit herrschte in Deutschland eine starke Polio-Epidemie: 1959 erkrankten in der BRD 2.114, 1960 sogar 4.198 und 1961 4.673 Menschen. Trotzdem fanden in der BRD nur wenige Impfungen statt, man blieb skeptisch. Der Grund dafür war, dass es unter geimpften Kindern plötzlich eine Reihe von Erkrankungen gab. Insbesondere Eltern wollten ihre Kinder keinem Risiko aussetzen.

Und in der DDR? Dort zeigte sich für denselben Zeitraum eine andere Entwicklung. Während 1959 noch 958 Menschen erkrankten, waren es 1960 bloß 126 und 1961 nur noch 4. Wie kam es zu dieser gegensätzlichen Entwicklung?

Zwei Systeme – zwei Impfungen

Der Grund für die sinkende Zahl der Erkrankungen in der DDR ist simpel. Seit 1960 gab es in der DDR einen neuen Impfstoff. Und bereits seit den 1950er-Jahren eine staatliche Impfpflicht.

Albert Bruce Sabin, ebenfalls ein US-amerikanischer Forscher, hatte Ende der 1950er-Jahre einen Lebend-Impfstoff entwickelt. Doch die Behörden in den USA setzten weiter auf den Impfstoff von Salk. Da er dort keine Förderung erhielt, nahm Sabin ein Finanzierungsangebot zur Weiterentwicklung seines Impfstoffes aus der UdSSR an. Von dort gelangte der Impfstoff 1960 direkt zur Gesundheitsbehörde der DDR.

File:Bundesarchiv Bild 183-72526-0001, Berlin, HU, Schutzimpfung gegen Kinderlähmung.jpg
Historische Originalbeschreibung: “Studenten der Humboldt-Universität mit Polio-Schutzstoff immunisiert Alle Studenten der Humboldt-Universität, die das 20. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, erhielten am 22.4.1960 den Sabin-Tschumakow-Schutzstoff gegen Kinderlähmung verabreicht. Dieses neue Präparat, welches wir vor einigen Tagen aus der SU erhalten haben, wird nicht wie alle anderen Schutzstoffe geimpft oder eingeritzt- sondern, zu je 2 Tropfen auf einem Stück Zucker oder in einem Glas Limonade eingenommen. 60 Medizinstudenten der Humboldt-Universität stellten sich der Aktion zur Verfügung, um den Studenten das Serum Typ I zu verabreichen. Nach vier Wochen und weiteren vier Wochen werden wieder je zwei Tropfen eingenommen. UBz: Medizinstudentin Marianna Maesse (5. Studienjahr) gibt an ihre Kommilitonen das Serum aus.”

Schon im selben Jahr fanden die ersten Massenschluckimpfungen statt. Eine Wahl hatten die Bürger*innen der DDR dabei nicht: Impfen war Pflicht und wer sich weigerte, stellte sein Wohl über das der Volksgesundheit, stellte sich also gegen den Sozialismus. Infolge der Massenimpfungen nahm die Anzahl der Erkrankungen noch im selben Jahr rapide ab.

Propaganda aus dem Osten

Im Wettkampf der Systeme nutzte die DDR-Führung den Erfolg in der Polio-Bekämpfung für ihre politische Propaganda. Gerade im Vergleich mit dem Westen sollte deutlich werden, dass die DDR das überlegene Gesundheits- und politische System hatte. Erfolge wurden öffentlichkeitswirksam dargestellt und gefeiert.

Historischer Originaltext der Infografik:
“DDR frei von Polio – 42 Opfer in Westdeutschland  1.7.1961 DDR frei von Polio – 42 Opfer in Westdeutschland. Fielen der Poliomyelitis 1960 in der DDR 4 Menschen zum Opfer, so waren es in Westdeutschland im gleichen Zeitraum 250 Personen. In Westdeutschland fielen der Poliomyelitisempidemie in diesem Jahr bereits 42 junge Menschen zum Opfer. Insgesamt wurden mehr als 650 Erkrankungen gemeldet. Demgegenüber erkrankte in der DDR nur ein Kind, eines der wenigen, das nicht gegen Kinderlähmung immunisiert worden war.”
Bundesarchiv, Bild 183-84387-0001 / Schulz / CC-BY-SA 3.0

In der BRD blieb man trotz der Erfolge im Osten dennoch kritisch. Man traute dem neuen Mittel aus der Sowjetunion nicht, die Massenimpfungen im Nachbarstaat betrachtete man genau.

Auch der Ausbruch einer Polio-Epidemie im Ruhrgebiet 1961 konnte die Führungskräfte im Westen nicht zum Umdenken bewegen. Das Angebot von Willi Stoph, damals stellvertretender Ministerpräsident ohne Ressort in der DDR, sofort 3 Millionen Impfstoff-Einheiten zu schicken, lehnte Bundeskanzler Konrad Adenauer als Propagandatrick ab. Nicht zu Unrecht. Trotzdem hagelte es auch der Presse und auch aus der westdeutschen Bevölkerung Kritik.

Erst 1962 begann in der BRD die Impfung gegen Polio mit dem Schluckimpfstoff. Diesmal angeboten und angenommen von den USA. Und quasi sofort wurde die Wirkung deutlich: Von 4.673 Erkrankten 1961 sank die Zahl 1962 auf 296 Erkrankungen, also um mehr als 90%. Schon 1966 lag die Zahl der Neuinfektionen in der BRD unter 20. Ab Ende der 1980er-Jahre galt die Krankheit deutschlandweit als ausgerottet.

Anzahl der Polio-Erkrankungen und Todesfälle in Deutschland von 1910-2018; Grafik: Julius Senegal; CC BY-SA 4.0

Was wäre wenn…

Eine Frage drängt sich mir bei der Recherche für diesen Artikel auf: Wie wägt man den Erfolg eines politischen Systems gegen die Gesundheit und das Leben von Menschen auf? Ob Willi Stoph sein Angebot von der Impfstofflieferung wahr gemacht hätte, lässt sich nicht sagen. Und auch in den Kopf von Konrad Adenauer und den Mitarbeiter*innen der westdeutschen Gesundheitsbehörde kann ich nicht hineinschauen.

Mit dem Blick auf heute kann ich nur schließen: Ich hoffe, dass Regierungen und Demokrat*innen im Interesse der Bevölkerung handeln. Und nicht bloß danach, was sie gut aussehen lässt.

Übrigens drehte sich nur wenig später das Bild: Als 1962 die Ruhr in der DDR ausbrach, nutzten dies wiederum Westmedien, um Kritik an dem Gesundheitssystem der DDR zu leisten. Die DDR-Regierung schwieg lange zu den Vorfällen.

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Annalena B. arbeitet bei Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. als Projektkoordinatorin im Bereich Demokratiegeschichte.

11 Kommentare

  1. Olaf

    8. Januar 2021 - 0:10
    Antworten

    Spannender Artikel, ich habe gerade einige Folgen der neuen Staffel über die Charite gesehen, wo genau diese Zeit kurz vor und nach dem Mauerbau 1961 beleuchtet wurde und wollte den historischen Hintergrund der Darstellung dort prüfen. Die meisten Artikel über Poliomyelitis erwähnen interessanterweise diesen zeitweiligen Vorsprung der DDR bei der Bekämpfung gar nicht. Wenn Deutschland (vor 1989) gesagt wird, ist in den Artikel über die Zeit nach 1945 bis zur Wiedervereinigung Bundesrepublik gemeint. Hier lebt noch unbemerkt ein Hauch des kalten Krieges, vielleicht sind es solche Punkte, die meine “Brüder und Schwestern” im Osten gelegentlich auf auch in Ostdeutschland wachsende Palmen bringt.
    Für mich eine drollige Parallele: Auch von den Coronaimpfstoffen Made in Russia und Made in China hört man gar nichts. Vielleicht taugen sie nichts oder sind gefährlich, vielleicht produzieren beide Länder nur für den eigenen Markt. Nur wissen würde man das schon ganz gerne. Es wird aber der Eindruck erzeugt, der erste (echte?) Impfstoff sei der von Biontech.
    Ich gehöre nicht zu den großen Kritikern des Umgangs der Regierung mit Corona, aber auch in Deutschland fühlen sich viele Politiker weniger einer offenen Diskussion über sinnvolle Maßnahmen als vielmehr ihrer Karriere verpflichtet und unsere Medien zeigen überwiegend wenig Biss, wirklich hartnäckige Fragen an die Verantwortlichen sind Mangelware. Für eine freie Presse ist die Berichterstattung oft erstaunlich stromlinienförmig.
    Man denke nur an den Anfang der Epidemie: Politiker und die meisten Medien:
    Masken schützen nicht, als es dann genügend Masken gab, waren es dann die Maskenverweigerer, die in die Ecke gestellt wurden. Die Argumente einiger Gegner, z.B. die Masken werden bei falscher Anwendung zum Risiko und diese falsche Anwendung ist eher die Regel als die Ausnahme (zu lange und zu oft getragen), wurden meines Wissen nie wirklich gewürdigt bzw. spielten keine Rolle mehr.
    ARD zeigt statt dessen ein “Extra” nach dem anderen, bei denen man vertiefende Informationen mit dem Breittreten der schon in der Tagesschau enthaltenen Information verwechselt.
    Auch der Artikel über Poliomyeltis als Propagandamittel zeigt deutlich, auch in Demokratien bleiben Motive der Entscheidungsträger nicht selten im Dunkeln und eine offene und ehrliche Kommunikation findet selbst in unserer freien Presse nur bedingt statt bzw. wird auch dort nicht genügend eingefordert.

    • Annalena B.

      8. Januar 2021 - 11:08
      Antworten

      Lieber Olaf,
      vielen Dank für die Einschätzung (und den Verweis auf die Charité-Folgen, damit steht mein Abendprogramm). Der Wettkampf zwischen BRD und DDR um Impfmittel und die damit zusammenhängende propagandistische Darstellung ist ein spannendes Thema, insbesondere, da mal der eine Staat, mal der andere die Nase vorn hatte (siehe auch den Artikel zur Ruhr).
      Was ich aus Ihrem Kommentar mitnehme ist der Wunsch nach mehr und klaren Informationen. Diesen kann ich gut nachvollziehen, da meinem Empfinden nach der Alltag momentan häufig von Unsicherheit geprägt ist: Was ist gerade erlaubt und was ist richtig? Wie weit kann ich voraus planen?
      Hinzu kommt, dass wir immer wieder dazu lernen: Was am Anfang galt, stellte sich als nur bedingt richtig oder falsch heraus (etwa die Nicht-Wirksamkeit von Masken). Fakten zu überprüfen und dann zu vermitteln dauert leider eine Weile, auch im digitalen Zeitalter. Ebenso zu entscheiden, was die oder der Einzelne an Informationen verarbeiten kann oder was überfordert (möglicherweise haben Sie ein höheres oder tiefer gehendes Informationsbedürfnis als andere Menschen). Ich gehe davon aus, dass die Journalist*innen genau überprüfen, was sie weitergeben (falsche Informationen könnten gefährlicher sein als fehlende Informationen) und zu welchem Zeitpunkt. Leider kann ich weder ihnen noch Politiker*innen in den Kopf schauen und so ihre Motive ergründen.
      Aus ehrlichem Interesse frage ich mal nach: Welche Fragen würden Sie denn gerne an die Politik oder andere Institutionen stellen oder beantwortet haben?
      Beste Grüße

  2. Olaf

    9. Januar 2021 - 14:37
    Antworten

    Liebe Annalena,

    zunächst herzlichen Dank für die sympathische Rückmeldung. Die für Sie interessante Folge (3. Staffel “Eiserne Lunge”) haben Sie hoffentlich entdeckt.
    Vielleicht ist es aus meinem Kommentar nicht ganz deutlich geworden, im Kern bin ich alles andere als unzufrieden, wie es in der Bundesrepublik läuft und der eine oder andere Wunsch meinerseits nach mehr Transparenz wird nicht frei von Naivität sein. Meine Wünsche an die Politik und an die Medien kollidieren natürlich auch mit ganz anderen Interessen und Bedürfnissen.
    Für mich persönlich geht es in der Regel nicht um die großen Antworten (die häufig niemand hat), obwohl es natürlich spannende Fragen gibt. Vielfach beneide ich Politiker nicht, Entscheidungen treffen zu müssen (z.B. im Bereich der Flüchtlingspolitik: Eine der für mich spannenden und kritischen Fragen in diesem Bereich: Warum hat sich Angela Merkel m.W. nicht vor 2015 dafür eingesetzt, dass das Dublinverfahren durch eine fairere Verteilung in der EU ersetzt wird, was damals wahrscheinlich zumindest eher möglich gewesen wäre? Es ist ja nicht so, dass das Verfahren vorher nicht kritisiert worden wäre.)
    Mir fehlt es häufig an einer für Politiker natürlich heiklen “Fehlerkultur”.
    Wenigstens teilweise hat der Gesundheitsminister in der Coronakrise hier klug agiert, sein Satz: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen.“ oder auch, dass es keine “absoluten Wahrheiten” gibt, sind offene und richtige Worte, solange sie nicht missbraucht werden, um sich aus der Verantwortung zu stehlen.
    Bei der Maskenfrage lag der Fall aber für mein Gefühl anders. Das Masken prinzipiell überhaupt nichts nutzen sollten, erschloss sich einem normal Sterblichen nicht, zumal man sie in medizinischen Kontexten ja ständig wahrnehmen konnte. Also hätte man von Anfang an differenziert argumentieren müssen. Das schließt die Tatsache ein, dass man offen hätte zugeben müssen, dass man den Vorschlägen des RKI (im Rahmen eines Krisenszenarios) zur Einlagerung von Schutzbekleidung lange vor der Pandemie nicht gefolgt ist und die wenigen Masken, die am Anfang vorhanden waren, für die wichtigsten Personengruppen vorhalten wollte.
    Es gab mit Sicherheit irgendwo kluge Hintergrundberichte, die wesentlich besser als ich hier, die damaligen Verlautbarungen der Bundesregierung und -kanzlerin kritisiert haben, ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass mein regionales Blättchen hier (Norddeutsche Rundschau) oder die öffentlich-rechtlichen Medien, bei dem Teil der Aussagen der, pardon, offenkundig unsinnig war, ihren Job gemacht hätten.
    In diesem Kontext finde ich Ihre Aussage: “Ebenso zu entscheiden, was die oder der Einzelne an Informationen verarbeiten kann oder was überfordert” nicht unbedenklich und erinnert mich an unseren ehemaligen Innenminister. Das wäre ein vormundschaftlicher Staat, der so agiert, auch wenn ich zugestehe, dass es Situationen gibt, wo Verantwortliche überlegen müssen, welche Auswirkungen Informationen in der Öffentlichkeit haben.

    Herzliche Grüße

  3. Som Jo Tien

    13. Januar 2021 - 22:41
    Antworten

    Auch ich bin animiert von der Serie Charitè in der ARD hier. Ein Freund erzählte mir von der Situation, dass die Politiker im Westen zu arrogant gewesen wären den amerikanisch-russischen Impfstoff anzunehmen. Ich habe den Wahrheitsgehalt angezweifelt. Tatsächlich soll laut Wikipedia der Kalte Krieg der UDSSR mit den USA der Grund gewesen sein, dass der Impfstoff über das neutrale Österreich erst ein Jahr später nach Westdeutschland kam, was dem Verdienst gewisser Ärzte zu verdanken sei.

    Zur Maskensituation möchte ich Olaf aus aktuellem Anlass entgegnen, dass mit heutigem Datum NRW-Gesundheitsminister Laumann die Einführung von FFP2-Masken nach bayrischem Vorbild mit Hinweis auf das eventuell falsche Tragen der Masken abgelehnt habe. Es könne zu einem falschem Sicherheitsgefühl führen, was schädliche Auswirkungen haben könne. Dass Alltagsmasken den Trägern selbst einen Schutz von 17 %, FFP1 von 47 % und FFP2 von 77 % bieten können, wurde der Öffentlichkeit nie gesagt. In meinem Bekanntenkreis war man schon im letzten Jahr sehr erstaunt, dass ich mit Hinweis auf eine Studie mit diesem Ergebnis, vom Tragen der Alltagsmaske abgeraten habe. Dass dies nicht publiziert wird, ist ein Manko. Hier liegt viel zusätzliches Potential. Aber die Politik und die Medien lehnen eine Information der Bevölkerung ab.

    Aus meinem Recherchepool zum Polio-Thema möchte ich noch darauf hinweisen, dass die WHO im Sept. 2020 für einigen Länder in Afrika eine nachhaltige Warnung ausgegeben haben soll, die mit diversen Problemen – auch bei der Impfung – zu tun haben. Mögliche Mutationen, wie aktuell durch Streckung der zweiten Impfung nach hinten, wie in England praktiziert, sind naheliegend.

    Die Aktualität des guten Beitrags von Annalena B. ist frappierend. Danke für diesen Beitrag. Weil woanders – z.B. in der Historiendarstellung des Landesgesundheitsamtes Niedersachsen – findet man dergleichen nicht.
    https://www.nlga.niedersachsen.de/infektionsschutz/krankheitserreger_krankheiten/polio/polioeradikation/historie-der-poliomyelitis-in-deutschland-19302.html

  4. Annalena B.

    14. Januar 2021 - 10:09
    Antworten

    Guten Morgen an die Leser*innen!
    Ich freue mich sehr, dass der Polio-Beitrag auf so viel Interesse stößt und sachlich wertschätzend kommentiert wird 🙂
    Da das Thema Masken wiederholt auftaucht, dachte ich, ich ergänze einfach mal ein paar Seiten von Ministerien und Institutionen, um den aktuellen (offiziellen) Stand wiederzugeben. Zunächst aber eine Erklärung von der Maus (mit Bastelanleitung!) für die jüngeren Leser*innen und Mausfans: https://www.wdrmaus.de/spiel-und-spass/basteln/mundschutz.php5

    Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: https://www.infektionsschutz.de/coronavirus/alltag-in-zeiten-von-corona/alltagsmaske-tragen.html

    Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/schutzmasken.html

    Robert-Koch-Institut: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Mund_Nasen_Schutz.html

    Wer noch weitere gute Seiten, insbesondere barrierefreie und Seiten in leichter Sprache weiß, gerne ergänzen!

  5. Jo

    19. Januar 2021 - 11:03
    Antworten

    Hallo Zusammen,
    wie kam es dazu das die DDR auf Ihrer Broschüre für 1959 bzw. 1960 nur von 203 bzw. 70 Erkrankungen in der BRD wusste?
    Im Artikel oberhalb stehen für 1959 bzw 1960 mit 2114 bzw 4198 deutlich höhere Zahlen, (die Mauer gab´s noch nicht. öffentliche Daten konnten also noch ungehindert in die DDR gelangen).
    Wurden In der BRD wider besseren Wissens falsche Zahlen veröffentlicht?

    • Annalena B.

      21. Januar 2021 - 10:19
      Antworten

      Hallo Jo,

      kurz zur Erklärung der Grafik: Die Zahlen, die abgebildet sind (also die 203, 70 und 1 sowie die 25 und 4) beziehen sich alle auf die DDR. 203, 70 und 1 beziehen sich auf die Erkrankungen, 25 und 4 auf die Toten. Zahlen aus der BRD sind nicht grafisch dargestellt. Nur die Erklärung unterhalb des Grafen “1. Halbjahr 1961: 42 Opfer in Westdeutschland” bezieht sich auf die BRD. Und zwar auf die Todesopfer, die Zahl der Erkrankungen lag noch deutlich darüber.
      Die 650 Erkrankungen, von denen im Infotext die Rede ist, beziehen sich dann tatsächlich auf die BRD. Und zwar auf die ersten Monate des Jahres 1961.

      Danke fürs Nachfragen! Bei den vielen Zahlen kann man schonmal den Überblick verlieren…

  6. Bernhard

    20. Januar 2021 - 15:59
    Antworten

    Hallo
    Ich habe in den 60er in der DDR gelebt und kann mich an die Poliopandemie dunkel erinnern. Für mich bedeutend war, dass die Schule geschlossen war und wir als Kinder unser Grundstück nicht verlassen durften. Nichmal am Zaun durften wir mit anderen Kindern sprechen. Wir hatten ein weitläufiges Grundstück, wie das bei anderen Familien mit einer Wohnung war würde mich interessieren. Auch wann das war und welche Einschränkungen es wie lange noch gegeben hat weiß ich nicht mehr, ich muss in der 2. oder 3. Klasse gewesen sein. Ein Nachbarsjunge, etwas älter als ich, ist damals gestorben und ein Weiterer war an den Rollstuhl gefesselt. Die Erfahrung hat mir genutzt indem es mich demütiger gemacht hat. Auch habe ich irgentwie die Impfpflicht eher als Segen verinnerlicht.

  7. Rosa

    30. Januar 2021 - 18:36
    Antworten

    Hallo Zusammen,
    aus aktuellem Anlass bin ich auf eure Seite gestoßen. Sehr interessant. Es gibt eine Menge Parallelen zu heute politisch wie gesellschaftlich.
    Als ehemaliges DDR–Kind bin ich Anfang 1961 gegen Kinderlähmung geimpft worden (Ausweis noch vorhanden). Glück gehabt. War aber zu jung, um mich erinnern zu können. Impfungen sind ein Segen für die Menschheit.

  8. Andras Fritsche

    31. Januar 2021 - 8:49
    Antworten

    Ich bin seit 22 Jahren Redakteur bei einer Tageszeitung und habe eine Bemerkung zum Thema Medien. Durch das Internet, in dem sich ein großer Teil der Bevölkerung aus frei zugänglichen Quellen informiert, sind die Zeitungsauflagen und das Anzeigenaufkommen seit Mitte der 1990er Jahre extrem gesunken. Entsprechend wurde beim Personal gespart und entsprechend ist es für Zeitungen viel schwieriger geworden, Dinge so gründlich zu recherchieren und aufzuarbeiten, wie das vordem der Fall war. Dazu kommt, dass das Internet voll von absichtliche und unabsichtlich en Falschmeldungen in den sozialen Medien ist, gegen die kaum noch anzukommen ist, weil viele Menschen nicht gelernt haben, die Seriösität von Quellen zu beurteilen. Ich Journalist schreibt, woher er welche Information hat und wie weit er sie prüfen konnte. Ich will mich hier nicht rausreden. Ich habe in der Pandemie mit meinen bescheidenen Möglichkeiten versucht, Fragen zu stellen, fair zu urteilen und seriös zu schildern. Einfach war das nicht. Man war auch immer einem gewissen Druck der öffentlichen Meinung ausgesetzt, wenn man den jüngsten Schwenk der Politik nicht sofort nachvollziehbar fand, und es war beim Thema Corona so oder so ein Teil der Leser unzufrieden und drohte mit Abbestellung der Zeitung, entweder, weil sie für viel schärfere Maßnahmen waren, oder weil sie gar keine Maßnahmen wollten. Steht nicht genau ihre Ansicht im Blatt, dann ist es nicht mehr ihr Blatt. Die Auflage sinkt weiter und damit verschlechtern sich die Ressourcen für Recherche. Eine Abwärtsspirale. Das Thema ist sehr komplex und Professoren könnten viele Bücher darüber schreiben. Ich glaube aber, dass man immer noch besser informiert ist, wenn man sich seine Informationen aus verschiedenen Zeitungen zusammensucht, als wenn man einem Guru im Internet folgt.

  9. Pfennig

    4. Februar 2021 - 8:01
    Antworten

    Ein sehr interessanter Artikel. Wenn man anhand dieses Artikels weiter recherchiert(Wikipedia deutsch/engl. Feb/2021) endeckt man auch erstaunliche Gemeinsamkeiten der beiden Ost-West Impfstoffendecker Jonas Salk und Albert Bruce Sabin. Sie waren wohl beide jüdisch-russischer Abstammung und arbeiteten beide zeitweise an Rockefeller Einrichtungen.
    Erstaunlich auch daß Forscher vom Klassenfeind USA in der Hochphase des kalten Krieges 1956(Ungarnaufstand etc.) ausgerechnet in der Sowjetunion Impfstudien an Sowjetischen Kindern durchführten und kurz darauf im Ostblock per Impfpflicht die Kinder damit zwangsgeiimft werden.
    Immerhin kann man, zumindest bei den Impfungen in der DDR, davon ausgehen das keine finanziellen Interessen dahinter steckten.

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