Demokratiegeschichten

Fritzi – eine Wendewundergeschichte

Kaum etwas könnte besser zu unserem Aktionstag „09/10/89 – Zeit für Demokratie“ passen. Mit „Fritzi – Eine Wendewundergeschichte“ startet morgen ein Kinofilm, der die Ereignisse im Herbst 1989 in Leipzig näher beleuchtet. Die Regisseure Ralf Kukula und Matthias Bruhn haben einen ungewöhnlichen DDR-Film geschaffen.

Warum ungewöhnlich?

Da wäre zum einen das Alter der Protagonistin: Fritzi ist gerade mal 12 Jahre alt. Damit ist sie 3 Jahre älter als die Fritzi aus der Buch-Vorlage „Fritzi war dabei. Eine Wendewundergeschichte“ von Hanna Schott. Aber immer noch jung genug, um gleichzeitig sehr naive und sehr kluge Fragen zu stellen. Zum Beispiel:

Wusste die Mutter, dass Fritzis beste Freundin Sophie nicht aus dem Urlaub in Ungarn zurück kommen würde? Warum hat Sophies Familie überhaupt „rübergemacht“? Wann wird Fritzi Sophie wiedersehen? Wieso darf Fritzi sie nicht im Westen besuchen? Und was wird nun aus Sputnik, Sophies Hund, der vorerst bei Fritzi bleibt?

Sommerferien ohne die beste Freundin: ziemlich langweilig; (C) Weltkino Filmverleih

Da sie keine zufriedenstellenden Antworten erhält, fasst Fritzi einen Plan. Sie wird die nächste Klassenfahrt nutzen, um über die Mauer zu fliehen. Denn kurz dahinter wohnt Sophies Oma, und da ist nun auch Sophie.

Dass dieser Plan nicht aufgeht, ist an dieser Stelle hoffentlich kein allzu großer Spoiler. Doch Fritzis Scheitern führt dazu, dass sie in das vielleicht größte Abenteuer ihres Lebens gerät. Denn Herbst 1989 in Leipzig, das bedeutet Friedensgebete und Montagsdemonstrationen. Und er markiert einen wesentlichen Meilenstein im Verlauf der Friedlichen Demonstration. Den Punkt, an dem die Zahl der Demonstrierenden eine kritische Masse erreichte Staatsmacht vor der Entscheidung stand: Niederschlagen oder gewähren lassen?

Fritzi und Sputnik auf der Flucht; (C) Weltkino Filmverleih

Genre

Der zweite etwas ungewöhnliche Aspekt ist, dass es sich bei „Fritzi“ um einen Animationsfilm handelt. Das lässt sich wohl vor allem durch das Zielpublikum Kinder und Jugendliche erklären. Zweifelsohne ist der Film mehr eine Heranführung an die deutsche Teilung und Wiedervereinigung als eine Vertiefung. 86 Minuten sind natürlich nicht genug Zeit, um so ein komplexes Thema aufzudröseln. Aber sie können durch ihre unbeschwerte Art Interesse bei Kindern und Jugendlichen wecken und Anlass sein, eigene Fragen zu stellen. Vielleicht wollen Mama und Papa ja mal erzählen, wie sie den Herbst 1989 erlebt haben?

Die Frage dürfte auch Erwachsene zum genaueren Hinschauen bringen: Was habe ich im Herbst 1989 eigentlich gemacht? Was kommt mir bekannt vor? In welchen Bildern finde ich mich wieder? Dass es sich bei „Fritzi- Eine Wendewundergeschichte“ um einen Kinderfilm handelt, bedeutet schließlich nicht, dass sich erwachsene Besucher*innen langweilen oder abschalten sollen.

Filmdaten im Überblick

Filmtitel: Fritzi – Eine Wendewundergeschichte

Produktionsland/-jahr: Deutschland/Luxemburg/Belgien/Tschechien 2019

Genre: Animationsfilm

Regie: Ralf Kukula, Matthias Bruhn

Lauflänge: 86 min

FSK: 6

Kinostart: 09.10.2019 (Berlin-Premiere im Kino Internationale)

mehr Informationen

Artikel Drucken
Über uns 
Annalena B. arbeitet bei Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.

0 Kommentare

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.