Demokratiegeschichten

Jitzchak Rabin – Ein Hoffnungsträger für Israelis und Palästinenser / Teil II

Auf dem Weg ins Jassir-Arafat-Museum

In Ramallah, im Westjordanland, will ich das Jassir-Arafat-Museum besuchen. Mit dem Bus fahre ich von Jerusalem in die 20 km entfernte Stadt. Auf dem Weg passiere ich die Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland. Am Checkposten müssen alle Palästinenser aus dem Bus aussteigen und ihre Pässe nacheinander einem israelischen Soldaten mit schwerer Sicherheitsweste und MG in Schussbereitschaft vorlegen. Alle anderen dürfen im Bus sitzenbleiben. Unsere Pässe werden nur flüchtig gemustert. Die Kontrollen für die Palästinenser sind genau und dauern. So stehen wir vor und nach der Grenze lange im Stau. Für eine Strecke von 20 km brauchen wir mehr als eine Stunde. Das sei Alltag, sagt eine Mitreisende.

Rabin und Arafat

Das Arafat-Museum wurde 2016 neben dem Arafat-Mausoleum eröffnet. Jassir Arafat war sowohl ein palästinensischer Freiheitskämpfer, Politiker und Friedensnobelpreisträger, als auch Terrorist und Guerillakämpfer. Jahrzehntelang galt Arafats Bemühen der Vernichtung Israels. U. a. der Verlust wesentlicher Unterstützer in der arabischen Welt brachte Arafat 1993 dazu, im Namen der Palästinensischen Befreiungsorganisation Friedensverhandlungen mit Israel zu unternehmen.

Ich bin beindruckt von dem modernen Museum, das alle Texte in Arabisch und Englisch ausweist. Das Museum erzählt in klaren Zügen die Geschichte der Palästinenser seit Ende des 19. Jahrhunderts. Einen ausführlichen Platz nehmen darin die Friedensverhandlungen zwischen Rabin und Arafat ein. Auch das berühmte Foto von Jitzchak Rabin, Bill Clinton und Jassir Arafat am 13. September 1993 vor dem Weißen Haus in Washington, DC fehlt nicht. Überhaupt wird Rabins Bemühung um den Frieden mit Palästina hier gewürdigt. Dabei ähnelten sich Jitzchak Rabin und Jassir Arafat in gewisser Weise. Hatten sie als Militärs zuvor vehement gegeneinander gekämpft, setzten sie sich aber ab einem gewissen Punkt miteinander für einen Frieden ein.

„Nach Rabins Ermordung war alles vorbei“

Im Museum treffe ich Yusuf. Er ist Palästinenser. Als Lehrer arbeite er in einem Dorf bei Bethlehem, erzählt er. Sein Gehalt sei klein. So führt er nebenbei in seinem Auto Touristen durch das Westjordanland. Heute sei er fast nicht aus seinem Dorf gekommen, berichtet Yusuf. Israelische Soldaten hätten die Straße abgeriegelt. Als eine Art Vergeltung. Am Vortag hätten Jungen aus seinem Dorf Steine auf eine nahegelegene Israelische Siedlung geworfen. Man habe sie in der Nacht festgenommen, erzählt er.

Hier in das Arafat-Museum komme er gerne mit Touristen. Es sei ihm wichtig, diese Geschichte zu erzählen. In den 1990er Jahren, als die Friedensverhandlungen liefen, seien seine drei Söhne klein gewesen. Auf die Verhandlungen habe er damals seine Hoffnung gerichtet. Wenigstens seine Kinder sollten im Frieden aufwachsen können. Aber nach Rabins Ermordung war alles vorbei, sagt er und streicht sich müde über das Gesicht. Nach Arafats Tod sowieso. Die heutige Situation und die Gewalt mache ihn traurig.

Rabins tragende Rolle wird gewürdigt

Im Oslo-Abkommen von 1993 hatten sich die israelische und die palästinensische Seite erstmals gegenseitig anerkannt. Für Ihre Bemühungen um den Friedensprozess erhielten Jitzchak Rabin und Jassir Arafat gemeinsam mit Shimon Peres, dem damaligen Außenminister, im Dezember 1994 den Friedensnobelpreis.

1995 gab es ein weiteres Oslo-Abkommen, das mehr Autonomie für die Palästinenser vorsah. Im selben Jahr wurde Rabin von einem jüdischen Fanatiker erschossen. Der Friedensprozess stockte. 2000 begann mit der zweiten Intifada der zweite gewaltsame Aufstand der Palästinenser gegen Israel, der bis 2005 dauerte. Arafat starb 2004. Es besteht der Verdacht, dass er vergiftet wurde.

Der Friedensprozess kommt bis heute trotz anhaltender Bemühungen nicht voran.

Im dritten und letzten Teil des Beitrages schaue ich mir in Tel Aviv das Jitzchak Rabin Center an und treffe am Strand Moshe. Er verlor seine Schwester bei einem Selbstmordattentat und sucht bis heute nach einem Umgang damit.

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