Demokratiegeschichten

70 Jahre UN-Menschenrechtscharta – Meilenstein der Menschheit und der Demokratie

Vor 70 Jahren, noch unter dem unmittelbaren Eindruck des Zweiten Weltkriegs und der Verbrechen des Nationalsozialismus, wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. Der 10. Dezember 1948 bleibt ein großer Tag für die Menschheit und ein wegweisender Moment für den Gedanken der Demokratie.

 

Was ist das Allerwichtigste, das Unantastbare?

Was ist das Allerwichtigste, das Fundament in einer Demokratie? Ist es soziale Gerechtigkeit, das Parlament, die freien Gerichte? Über Jahrhunderte haben Gesellschaften Verschiedenes ausprobiert, haben mal das eine, mal das andere in den Vordergrund gestellt. Auch unter Demokraten war man sich nie einig, ganz zu schweigen von Nichtdemokraten. Was aber ist bei all den Differenzen das Höchste, das Unantastbare, das immer und überall gelten muss?

Vor 70 Jahren musste das der Weltbevölkerung klar gewesen sein. Ihnen stand der Abgrund vor Augen. Wie konnte all das passieren? Wie konnte der Krieg über den ganzen Globus hinweg so vielen Menschen ihre Würde und ihr Leben nehmen, die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten so viele Menschen unterdrücken, erniedrigen und ermorden? Der Krieg und der Faschismus waren 1948 erst drei Jahre vorbei. Noch waren die Bilder aus den deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern neu und fast unbegreiflich. Ohne groß darüber nachzudenken war allen klar: Das durfte nie wieder geschehen.

 

Das Wunder der Menschenrechtserklärung

In dieser Situation geschah das Unglaubliche, das uns noch heute Staunen und Bewunderung abverlangt: Ein internationaler Zusammenschluss von Staaten der gesamten Erde – die Vereinten Nationen – verabschiedete die Menschenrechtserklärung. Es war eine Charta mit 30 Artikeln, die die Unantastbarkeit der Würde und Rechte des Menschen erklärten. Das sollte von nun an über allem anderen stehen, unverhandelbar. Alle Menschen sind gleich und frei geboren, haben das gleiche Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit. Niemand darf ihnen das nehmen.

Das war gleichermaßen ein Versprechen und eine Forderung. Und wurde zugleich zum Fundament, zum Allerwichtigsten in jeder Demokratie. Über alles andere kann man diskutieren, verhandeln und am Ende abstimmen – über Menschenrechte nicht. Auch wenn eine überwältigende Mehrheit in einem Staat dafür stimmt, darf man bestimmte Rechte des Menschen nicht verletzen.

 

Die Straße der Menschenrechte in Nürnberg

In einer deutschen Stadt, die sich in der Geschichte einen Namen dadurch gemacht hat, dass sie dem Nationalsozialismus besonders leidenschaftlich zujubelte, ist es deswegen ein besonders starkes Symbol, dass man heute im Stadtzentrum auf der „Straße der Menschenrechte“ spazieren kann. Seit nun über 25 Jahre steht dieses Denkmal hier und ist zugleich eindringliche Mahnung und feierliches Manifest. Mahnung an die vielen Menschenrechtsverletzungen, die auf diesem Boden stattgefunden haben; Manifest eines großen, verehrungswürdigen Versprechens, das uns einen Weg in die Zukunft weist.

Das scheint mir im Umgang mit dem Thema Menschenrechte das Entscheidende zu sein: die richtige Mischung aus Ermahnung und Festlichkeit zu finden. Niemals darf man die Menschenrechtsverletzungen der Geschichte vergessen. Allein deshalb muss man für Menschenrechte sein. Zugleich müssen wir uns aber auch positiv auf sie beziehen! Man sollte die Menschenrechte nicht verstecken, sie nicht für Sonntagsreden aufheben. In Nürnberg sind sie genau am richtigen Ort gelandet: auf der Straße. Mögen wir dafür sorgen, dass auch der Rest der Straßen in Deutschland Straßen der Menschenrechte werden.

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1 Kommentar

  1. Kerstin

    17. Dezember 2018 - 9:48
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    Danke für diesen Artikel, der wirklich ganz Wesentliches aufgreift. War mir gar nicht klar, dass die Menschenrechtserklärung jetzt 70 Jahre alt ist. Sollte man mit dem damaligen Zusammenhang viel mehr publik machen.

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