Demokratiegeschichten

Hedwig Dohm – eine Vorkämpferin der Demokratie

Wie kaum eine Zweite hat die deutsche Schriftstellerin Hedwig Dohm im 19. Jahrhundert die rechtliche und gesellschaftliche Unterordnung der Frau angeprangert. So ist sie zu einer Wegbereiterin und einem Symbol der deutschen Frauenbewegung geworden. Geboren wurde sie am 20. September 1831, noch Jahre vor dem ersten demokratischen Aufbruch in der Revolution 1848/49. Sie erlebte ihr ganzes Leben hindurch die geschlechtermäßige Ungleichbehandlung in Deutschland am eigenen Leibe: sei es durch mangelhafte Mädchenbildung, Verbot politischer Vereinsarbeit für Frauen oder das Wahlrecht nur für Männer.

 

Der Salon als Möglichkeit der Einflussnahme

All das hinderte sie jedoch nicht daran, sich gesellschaftlich und politisch einzubringen. Wo das Parlament als öffentlicher Raum ihr rechtlich verwehrt war, fand sie den Austausch, den sie suchte, in anderen Räumen. So zum Beispiel im Salon, einer Form von halböffentlicher Geselligkeit unter Freunden und Bekannten, die immer auch eine politische Komponente hatte. Viele Frauen nutzten die Bereiche der Gesellschaft, die ihnen nicht verwehrt waren, um auf die Öffentlichkeit einzuwirken und einen Wandel anzustoßen. Die private Wohnung, in der man sich zum geselligen Beisammensein traf, gehörte zu den Räumen, die man der Frau zusprach und ihr Auftreten dort als angemessen ansah. Seit der Aufklärung hatten sich das Frauen, die für mehr Rechte und Freiheiten kämpften, immer wieder zunutze gemacht und versucht, hierüber Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen. Der Salon von Hedwig Dohm stand in dieser Tradition. Er zog zeitweise so berühmte Persönlichkeiten an wie Alexander von Humboldt, Theodor Fontane und Ferdinand Lassalle.

 

Dohm als feministische Schriftstellerin

Ein anderes Mittel, mit dem Hedwig Dohm Einfluss zu nehmen versuchte, war die Schriftstellerei. Neben unzähligen Novellen und Bühnenstücken waren es vor allem feministische Themen, denen sie sich widmete. So sprach sie sich etwa vehement für die Erwerbstätigkeit von Frauen aus und forderte einen Ausbau der Mädchenbildung – beides ihrer Meinung nach Voraussetzungen für die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit der Frau. Noch brisanter war ihre Forderung nach dem vollen Wahlrecht für Frauen – damals, im 19. Jahrhundert, noch eine Undenkbarkeit. Dass ausschließlich Männer wählen dürften, war für die allermeisten schlicht die Normalität; wie sollte es auch anders sein? Dohm konnte sich mit dieser eingeschränkten Denkart nicht zufriedengeben. In einem berühmten Ausspruch schreibt sie:

„Glaube nicht, es muss so sein, weil es so ist und immer so war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte steriler Gehirne. Schaffe Möglichkeiten.“

Dass nur Männer als Bürger mit vollen politischen Rechten galten, war für sie ein brennender Missstand. Nicht nur das Interesse der Frauen, sondern die Freiheit als solche hängt ihrer Meinung nach von der Gleichstellung ab:

„Es gibt keine Freiheit der Männer, wenn es nicht eine Freiheit der Frauen gibt. Wenn eine Frau ihren Willen nicht zur Geltung bringen darf, warum soll es der Mann dürfen.“

 

Dohm – eine Vorkämpferin der Demokratie

Es ist diese eigensinnige, unnachgiebige, mutige Haltung, die Hedwig Dohm zu einer großen Vorkämpferin des Frauenwahlrechts und damit der Demokratie macht. Als das Frauenwahlrecht am 12. November 1918 eingeführt wurde, war Dohm bereit 87 Jahre alt und hatte noch weniger als ein Jahr zu leben. Doch immerhin erlebte sie noch mit, dass sich ihr Kampf fürs Frauenwahlrecht auszahlte. Über Jahrzehnte hatten sie und viele andere Aktivistinnen unerbittlich dafür gestritten. Dass heute in der Bundesrepublik Deutschland an der Wahlurne gleiches Recht für alle gilt, ungeachtet des Geschlechts, haben wir nicht zuletzt Menschen wie Hedwig Dohm zu verdanken. Das Frauenwahlrecht ist nicht vom Himmel gefallen.

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