Demokratiegeschichten

Meine Meinung – deine Meinung

Für Furore sorgte in der letzten Woche eine Aktion der Hamburger AfD. Die Fraktion stellte auf ihrer Internetseite das „Informationsportal Neutrale Schulen Hamburg“ online. Besonders die Möglichkeit, Lehrende, die gegen das Neutralitätsgesetz (angeblich) verstoßen, anonym an die Partei zu melden, sorgt für heftige Diskussionen. Einzelne AfD-Fraktionen anderer Bundesländer wollen beim Portal mitziehen und dieses ebenfalls auf ihren Seiten anbieten.

Widerstand regt sich. In Ahlen demonstrierten Schüler*innen und Lehrende für „Diskussion statt Denunziation„. Einzelne Nutzer*innen des Portals stellten statt den gewünschten Meldungen satirische oder scherzhafte Anfragen. Und in Berlin zeigte sich das Kollegium einer Schule gleich selbst an.

Was die AfD bemängelt: Lehrer*innen würden die AfD gezielt negativ darstellen oder  mit der Partei sympathisierende Aussagen unterbieten. Stattdessen würden Lehrende Schüler*innen indoktrinieren und in eine politische Richtung – zunehmend nach links – drängen. Somit verletzten diese Lehrer*innen das Gebot, neutral zu bleiben.

Meine Meinung dazu: Ja, Lehrpersonen sollten ihre Autorität nicht ausnutzen, um Schüler*innen in eine bestimmte politische Ecke zu drängen. Aber mit dem Beutelsbacher Konsens – Überwaltigungsverbot, Kontroversitätsgebot – gibt es bereits Richtlinien, die sowas verhindern sollen. Und als Schüler*in hat man normalerweise mehrere Vertrauensleute, an die man sich wenden kann. Etwa Klassensprecher*innen, Vertrauenslehrer*innen, notfalls die Schulaufsichtsbehörde – die AfD jedenfalls gehört nicht zu diesen.

Aber was haltet ihr von diesen Vorwürfen? Wie habt ihr den Umgang mit unterschiedlichen Meinungen in eurer Schulzeit oder wo auch immer erlebt?

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Über uns 
Annalena B. arbeitet bei Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.

2 Kommentare

  1. Claudia

    23. Oktober 2018 - 16:52
    Antworten

    Ich finde schon eure Fragestellung problematisch. Es geht hier doch nicht um „Meine Meinung – deine Meinung“. Und es geht auch nicht darum, ob das Neutralitätsgebot in Schulen verletzt wird. Das ist Augenwischerei. Es geht darum, dass eine rechtsextreme Partei alle, die sich gegen ihren Aufstieg zur Wehr setzen und die vor ihr warnen (aus gutem Grund!), als „linksextrem“ und „nicht neutral“ denunziert. Denkt doch mal bitte zu Ende, was nicht nur mit den denunzierten Lehrern passiert, sollte diese Partei jemals an die Macht kommen. Und dann denkt bitte nochmals darüber nach, ob ihr hier wirklich die richtigen Fragen stellt! Die Linien verlaufen nicht zwischen einer neutralen „Mitte“ und rechten und linken Rändern, sondern die Linie verläuft zwischen Demokraten und Rechtsextremen.

    • Annalena B.

      24. Oktober 2018 - 16:55
      Antworten

      Liebe Claudia,
      vielen Dank für deinen Beitrag und dafür, dass du dich auf die Diskussion einlässt.
      Ich verstehe, was du sagen möchtest und kann vieles von dem, was du schreibst, nachvollziehen. Zum Beispiel möchte ich mir nicht vorstellen, was passieren würde, wenn mein Name plötzlich auf Listen offen im Internet kursieren würde. So etwas kann schnell gefährlich werden und dies ist einer der Gründe, weshalb ich diese Portale ablehne.
      Ich glaube, dass es viele verschiedene Fragen gibt, die man bezüglich dieser Portale stellen kann. Und die Debatten und Reaktionen zeigen, dass dies auch geschieht. Für jede der Fragen, die hier oder woanders gestellt werden, bin ich dankbar. Ich habe mich entschieden, die Frage nach dem Umgang mit unterschiedlichen Meinungen zu stellen, weil ich auf eine Sache hinweisen wollte, die mir durch den Kopf ging:
      Schule und Unterricht leben davon, dass Schüler*innen ihre Meinung ausbilden und ausdrücken dürfen und Lehrer*innen diese Fähigkeit gezielt fördern. Schule und unsere Gesellschaft brauchen vieles, aber ganz bestimmt nicht eine erzwungene Neutralität, in der sich niemand mehr traut, Kritik zu üben. Und in den seltenen Fällen, wo Lehrende tatsächlich ihre Autorität ausnutzen, gibt es bessere Möglichkeiten, als dies einer politischen Partei zu melden.
      Danke nochmal für deinen Beitrag!
      Annalena B.

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