Demokratiegeschichten

Praktikum im Museum: Ein Bericht aus dem Stadtmuseum Halle

Oliver Wedermann ist Praktikant im Stadtmuseum Halle. Hier erzählt er, wie seine Arbeit im Museum mit Demokratiegeschichte zusammenhängt.

Ein Praktikum ermöglicht es einer Person erste Einblicke in den Arbeitsalltag zu erhalten und zu überprüfen, ob einem eine bestimmte Berufsrichtung liegt. Für mich ist aufgrund meines Studiums an der Martin-Luther-Universität generell ein Pflichtpraktikum vorgesehen. Als ich mich Anfang 2021 auf die Suche nach einem möglichen Praktikumsort gemacht habe befand ich mich schon im 4. Semester und es wurde langsam Zeit, mich auf die Suche zu machen. Dabei suchte ich vor allem ein Praktikum, dass ich gut in der vorlesungsfreien Zeit zwischen Sommer- und Wintersemester absolvieren könnte. Und das in erster Linie etwas mit Geschichte zu tun hatte, einem meiner Studienfächer.

Bei meiner Suche stieß ich auf das Praktikumsangebot des Stadtmuseums in Halle (Saale) und es klang sofort sehr interessant. Zum einen eignete sich ein Praktikum im Stadtmuseum sehr gut für den Studiengang Geschichte. Denn Museen sind dazu da, Geschichte wiederzugeben und für mich ein möglicher späterer Arbeitsplatz.

Zum anderen hatte ich während des Sommersemesters 2021 ein Seminar zu den Bürgerrollen der Stadt Halle (Saale) und war interessiert daran mehr über die Geschichte dieser Stadt zu lernen. Dementsprechend bewarb ich mich für ein Praktikum. Hierbei sei erwähnt, dass ich zu dem Zeitpunkt noch keine Vorstellung hatte, was meine Aufgabe im Stadtmuseum wäre, da es viele verschiedene Arbeitsbereiche gibt.

Praktikum im Stadtmuseum

Ein paar Wochen nach meiner Bewerbung erhielt ich dann einen Anruf von meinem späteren Vorgesetzten. Er erzählte mir ein bisschen was über das Stadtmuseum und meine Tätigkeit dort während meines Praktikums. Hierbei erwähnte er auch, dass ich an einem Projekt arbeiten würde, welches sich im Rahmen der kommunalen Erinnerungskultur und Demokratiegeschichte bewegt. Hierzu jedoch später mehr.

Nach diesem Telefonat konnte ich mein Praktikum gar nicht mehr erwarten und nach ein paar kurzen Wochen begann ich meine Tätigkeit als Praktikant im Stadtmuseum. Die ersten paar Tage waren vor allem dazu da, mich einzugewöhnen und mich mit dem Stadtmuseum vertraut zu machen. Nun besitzt ein Museum viele verschiedene Bereiche, weshalb es wichtig ist, kurz zu betonen in welchem ich arbeitete. Ich war im Bereich Bildung und Vermittlung tätig und arbeitete dort an der kommunalen Erinnerungskultur. Währenddessen war ich nicht an den eigentlichen Abläufen im Museum beteiligt. So arbeitete ich beispielsweise nicht im Besucherservice oder beschäftigte mich nicht mit der Ausstellung. Stattdessen war ich im Bereich Bildung und Vermittlung für die eigenständige Ausarbeitung eines Projekts zuständig und unterstützte meinen Vorgesetzten bei seinen Aufgaben.

Projekt zur lokalen Erinnerungskultur

Dementsprechend hatte ich in meinem Praktikum zwei Aufgaben. Zum einen unterstützte ich meinen Vorgesetzten beim Marketing für das Stadtmuseum. D.h. ich stellte gegebenenfalls Beiträge auf die Social Media Seiten des Museums. Dies war aber nur der kleinere Teil meiner Arbeit im Stadtmuseum. Hauptsächlich arbeitete ich an meinem Projekt, welches ich schon erwähnt hatte.

Dieses Projekt war ein erinnerungskulturelles Projekt, welches sich auf die Geschichte der Stadt beziehen und die kommunale Erinnerungskultur erweitern sollte. Ich hatte schon nach meinem ersten Telefonat mit meinem späteren Vorgesetzten damit begonnen ein Thema für dieses Projekt herauszuarbeiten. Ich wollte mich in erster Linie mit dem Kaiserreich beschäftigen, da dieses mich am meisten interessiert. Innerhalb der ersten Woche im Stadtmuseum habe ich dann ein genaues Thema für meine Arbeit herausgearbeitet.

Die Hauptfrage dieses Projekts war: Wie können wir Demokraten ehren, die sich im Kaiserreich für demokratische Prinzipien eingesetzt haben? Diese Fragestellung unterstreicht den demokratiegeschichtlichen Beitrag, den meine Arbeit erbringen sollte. Mithilfe dieser Fragestellung arbeitete ich dann ein genaues Thema für mein Projekt heraus. Dieses Thema war Ludwig Herzfeld und der von ihm mitorganisierte Parteitag der Liberalen in Halle von 1881. Herzfeld ist vor allem für die kommunale Erinnerungskultur von Halle interessant. Denn er war ein Ehrenbürger der Stadt und nimmt daher eine besondere Rolle ein.

Aber auch das Leben von Ludwig Herzfeld und der Parteitag verdeutlichen, worum es eigentlich geht. Zu schauen, ob es Demokraten im Kaiserreich gab, die sich für demokratische Prinzipien einsetzten. Denn wenn man die Demokratiegeschichte in Deutschland betrachtet wird das Kaiserreich meist außen vor gelassen. Denn in einem monarchischen System kann man nicht von Demokratie. Doch meine Untersuchung hat gezeigt, dass es dennoch Personen im Kaiserreich gab, die sich, wenn nicht für Demokratie, dennoch für demokratische Prinzipien eingesetzt haben. Herzfeld ist hierbei ein gutes Beispiel für das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit.

Mehr zu Ludwig Herzfeld wird in einem späteren Beitrag zu lesen sein, der einen Ausschnitt aus meiner finalen Arbeit wiedergibt.

Planspiel zu Ludwig Herzfeld

Ich habe mich in meinem Projekt jedoch nicht nur mit Ludwig Herzfeld beschäftigt. Sondern auch mit den anderen Ehrenbürgern der Stadt Halle um mögliche Erkenntnisse für erinnerungskulturelle Maßnahmen zu gewinnen. Aber das Kernstück meiner Arbeit war ein Planspiel. Dieses beschäftigt sich mit dem Parteitag von 1881 und beinhaltet als Kernrolle Ludwig Herzfeld.

Dieses Planspiel habe ich nicht alleine entwickelt. Ich hatte während meines Praktikums die Möglichkeit mein Projekt zwei Gruppen von Schülern in einem Gymnasium in Halle (Saale) vorzustellen. Dabei habe ich wichtige Anreize für den Aufbau und Inhalt des Planspiels enthalten, welche ich bei der finalen Ausarbeitung mit in Betracht gezogen habe. Des Weiteren stand ich im Kontakt mit einem Nachfahren von Ludwig Herzfeld, Herrn Dr. Wolfgang D. Herzfeld, der mir nicht nur geholfen hat das Leben Herzfelds besser zu verstehen, sondern auch eigene Vorschläge für das Planspiel vorgebracht hat. Am Ende ist dann ein Planspiel entstanden, dass die verschiedenen Vorschläge, die ich erhalten habe, beinhaltet und hoffentlich auch irgendwann einmal Anwendung finden wird.

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